Mein Sohn ist erst zwei Jahre alt und hat schon über 10.000 Euro in einem ETF investiert. Das war eine bewusste Entscheidung von meinem Mann und mir, seit er geboren wurde – und der Weg dahin war überraschend steinig.
Die zwei Wege, für ein Kind zu investieren
Grundsätzlich hast du zwei Möglichkeiten, Geld für dein Kind anzulegen:
1. Ein Depot auf deinen eigenen Namen, gedanklich fürs Kind reserviert
Du investierst weiterhin unter deinem eigenen Namen, führst das Geld aber gedanklich als „für das Kind bestimmt“ und gibst es ihm irgendwann. Vorteil: Du behältst die volle Kontrolle über die Investition, bis du dich entscheidest, das Geld zu übertragen. Nachteil: Es zählt weiterhin zu deinem eigenen steuerlichen Freibetrag, nicht zu dem deines Kindes – du „verbrauchst“ also deinen eigenen Sparerpauschbetrag mit den Erträgen, die eigentlich fürs Kind gedacht sind. Übergibst du das Geld später als Schenkung, gilt außerdem der Schenkungsteuer-Freibetrag von Eltern an Kinder von aktuell 400.000 Euro pro Elternteil und Kind, gültig für jeweils zehn Jahre – für die meisten Familien in der Praxis unproblematisch, aber gut zu wissen.
2. Ein Depot direkt auf den Namen des Kindes (Junior-Depot)
Das Kind ist von Anfang an rechtlicher Eigentümer, du verwaltest das Depot lediglich treuhänderisch. Der große Vorteil: Jedes Kind hat als eigenständige steuerpflichtige Person seinen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr (Stand 2026). Da die meisten Kinder kein eigenes Einkommen haben, lässt sich zusätzlich beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) beantragen, wodurch zusätzlich der allgemeine Grundfreibetrag von 12.348 Euro (2026) greift. In Summe bleiben Kapitalerträge des Kindes damit bis zu 13.384 Euro pro Jahr komplett steuerfrei – deutlich mehr, als wenn du dasselbe Geld unter deinem eigenen Namen anlegst.
Der meistgenannte Nachteil, den ich von so gut wie jedem gehört habe, dem ich von unserem Plan erzählt habe: Mit dem 18. Geburtstag hat das Kind vollen, uneingeschränkten Zugriff auf das gesamte Depot. Die Sorge dahinter: Ein 18-Jähriger könnte das Geld für „schwachsinnige Sachen“ verpulvern.
Warum uns diese Sorge nicht abschreckt
Ich sehe das bewusst anders – vielleicht idealistisch, aber ich bin überzeugt davon: Bis mein Sohn 18 ist, werden wir ihm längst eine solide Geldbildung mitgegeben haben. Ich habe vier Geschwister, und wir alle fünf gehen sehr vernünftig mit Geld um – obwohl in unserer Familie nie aktiv „Geldbildung“ stattgefunden hat und sogar eher negativ über Geld gesprochen wurde. Was wir trotzdem mitbekommen haben: dass Geld wertvoll ist und man sich gut überlegen muss, wofür man es ausgibt. Wenn mein Sohn mit bewusst positiverem Money-Mindset aufwächst als ich damals, bin ich zuversichtlich, dass er mit 18 nicht nur nichts verplempert, sondern richtig klug mit seinem angesparten Vermögen umgeht.
Wie schwer es war, überhaupt ein Konto zu eröffnen
Im Sommer und Herbst 2024 bot praktisch keine Bank außer der Sparkasse aktiv ein Girokonto für Neugeborene an, das als Grundlage für ein Depot dient (ein Depot braucht in der Regel ein verknüpftes Verrechnungskonto). Erst im Dezember 2024 konnten wir endlich ein Girokonto bei der Sparkasse eröffnen und darüber ein Depot bei Flatex einrichten. Falls du das Gleiche vorhast: Plane für die Eröffnung Zeit und Geduld ein, und vergleiche gezielt, welche Anbieter aktuell wirklich Konten für Kinder ab Geburt führen – das Angebot verändert sich laufend.
Wie ich versuche, ihm ein gesundes Geld-Mindset mitzugeben
Ein paar konkrete Dinge, die ich bewusst mache – oder bewusst vermeide:
- Ich erwähne nie, dass wir zu wenig Geld hätten – haben wir auch nicht. Aber selbst die gelegentlichen negativen Gedanken, die ich manchmal noch habe (→ dazu mehr in „Warum du immer wieder knapp bei Kasse bist“), spreche ich vor ihm nicht aus. Genau wie ich mich in der Küche nicht wohlfühle, aber das nie laut sage, sondern versuche, ums Kochen herum positive Sätze zu finden.
- Ich vermeide bestimmte Sätze konsequent. „Das ist zu teuer“ habe ich in meiner eigenen Familie fast täglich gehört – genau das möchte ich nicht weitergeben. Stattdessen sage ich lieber: „Das brauchen wir jetzt nicht“ oder „Dafür wollen wir gerade kein Geld ausgeben.“ Auch „Wir haben kein Geld dafür“ vermeide ich – die gleiche Botschaft lässt sich positiver formulieren.
- Ich sage nicht „ich muss arbeiten, damit wir essen können“, sondern „ich arbeite, weil ich meinen Job liebe.“ Solche Feinheiten verankern sich als Kind sehr tief, ohne dass man später bewusst merkt, woher die eigene negative Geldeinstellung eigentlich kommt.
- Positive Affirmationen laufen bewusst mit. Wenn ich meine täglichen Money-Mindset-Affirmationen laut lese (→ mehr dazu in meinem Erfahrungsbericht zur App „The Secret to Money“), ist er oft dabei und hört automatisch mit.
Ich habe selbst noch viel Luft nach oben, was mein eigenes Money-Mindset angeht, gerade wenn ich meinen Kontostand checke. Aber wenn mein Sohn dabei nur ein Stück weiter ist als ich, ist schon viel gewonnen.
Taschengeld, Mitentscheiden und die Grenze zum Pushen
Er soll ganz normal Taschengeld bekommen – und das auch für Kaugummi oder unnötigen Kleinkram ausgeben dürfen. Er ist ein Kind, er darf ausprobieren, auch mal „schwachsinnige“ Käufe machen. Sobald er alt genug ist, um Investieren zu verstehen, darf er mit uns gemeinsam auf unsere Depots schauen. Vielleicht eröffnen wir dann einen kleinen separaten Topf, bei dem er mitentscheiden darf, wo hinein investiert wird – wenn ihn das interessiert. Wichtig ist mir dabei die Grenze: Ich möchte, dass er versteht, wie man verantwortungsvoll mit Geld umgeht und es nicht verschwendet – ich möchte ihn aber nicht dazu drängen, Investieren genauso zu lieben, wie es meinem Mann und mir Spaß macht. Das muss seine eigene Entscheidung bleiben.
Ein Buch für später: „Ein Hund namens Money“
Ich habe mir außerdem schon „Ein Hund namens Money“ von Bodo Schäfer besorgt – sein Kinderbuch zum Thema Geld. Sobald mein Sohn etwas älter ist, möchte ich ihm daraus vorlesen und es ihm später zum Selberlesen geben. Im Buch werden unter anderem die klassischen Spartöpfe eingeführt, mit denen Kinder lernen, ihr Geld für unterschiedliche Zwecke aufzuteilen (etwa Sparen, Ausgeben, Investieren, Spenden). Genau diese Spartöpfe möchte ich gemeinsam mit ihm einrichten und auch die anderen praktischen Übungen aus dem Buch nach und nach mit ihm umsetzen – nicht nur vorlesen, sondern wirklich gemeinsam ausprobieren.
Nicht nur mit Geld umgehen – auch wissen, wie man es verdient
Genauso wichtig wie der Umgang mit vorhandenem Geld ist für mich, ihm beizubringen, wie man es verdient: wie man verhandelt, wie man verkauft, wie man ein wertvoller Mitarbeiter oder eine erfolgreiche Selbstständige wird – damit er später nie in die Sorge gerät, woher im nächsten Monat das Geld kommen soll. Ein Anfang dazu steht schon hier auf dem Blog: → „Gehaltserhöhung und Beförderung rausverhandeln“.
Mehr zum Thema: Wie sich eine Familiengründung finanziell auf den Weg zur finanziellen Freiheit auswirkt → „Finanzielle Freiheit vs. Familie gründen“
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Steuerliche Angaben (Freibeträge, NV-Bescheinigung) entsprechen dem Stand 2026 und können sich ändern – bitte vor Veröffentlichung und individueller Umsetzung aktuell gegenprüfen bzw. steuerlich beraten lassen. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung, keine Anlage- oder Steuerberatung.
