Versicherungen: Was wirklich wichtig ist – und was meist überflüssig

Das Thema Versicherungen taucht in praktisch jeder Finanzberatung auf – aus gutem Grund. Ich gebe dir hier einen recherchierten Überblick, ergänzt um meine ganz persönliche, ehrliche Einschätzung zu einzelnen Punkten. Bei manchen Versicherungen sehe ich es anders als die klassische Empfehlung – das ist völlig in Ordnung, am Ende musst du selbst entscheiden, was zu deiner Lebenssituation passt.

Das Grundprinzip: existenzielle Risiken absichern, nicht jedes Risiko

Versicherungen sollen dich vor finanziellen Schäden schützen, die du aus eigenen Mitteln nicht mehr stemmen könntest – also existenzielle Risiken wie den Verlust deiner Arbeitskraft, eine schwere Krankheit oder Schäden, die du anderen zufügst. Für kleinere, verkraftbare Schäden lohnt sich eine Versicherung finanziell meist nicht – da fährst du oft besser, wenn du das Geld stattdessen selbst zurücklegst.

Pflicht bzw. praktisch unverzichtbar

Krankenversicherung: in Deutschland ohnehin Pflicht.

Private Haftpflichtversicherung: deckt Schäden ab, die du unabsichtlich anderen zufügst – von der zerbrochenen Vase beim Besuch bis zum verursachten Fahrradunfall. Sehr günstig, dabei potenziell existenzsichernd, da Schadenssummen bei Personenschäden schnell sechsstellig werden können. Wenn du zur Miete wohnst, wird sie ohnehin meist vom Vermieter vorausgesetzt bzw. ist in vielen Mietverträgen praktisch obligatorisch.

Kfz-Haftpflicht: Pflicht, wenn du ein Auto besitzt. In manchen Bundesländern ist auch eine Hundehaftpflicht Pflicht.

Dringend empfohlen – mit meiner persönlichen Einschätzung

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Offiziell zählt die BU neben Haftpflicht und Krankenversicherung zu den „unverzichtbaren“ Versicherungen, weil der Verlust deiner Arbeitskraft dich existenziell treffen kann. Ich persönlich habe trotzdem keine – aus mehreren Gründen: Ich arbeite am Schreibtisch, und selbst bei schweren gesundheitlichen Einschränkungen (etwa dem Verlust einer Hand oder meiner Sehkraft) gäbe es für mich vermutlich noch alternative Wege zu arbeiten. Dazu kommt: Durch meine bereits bestehende gesundheitliche Vorgeschichte, unter anderem meinen Handbruch (→ „Meine finanziellen Krisen“), wären bestimmte Risiken ohnehin von einer BU ausgeschlossen worden. Und als ich überhaupt von der BU erfahren habe, war ich schon älter, was den Beitrag deutlich teurer und die Wahrscheinlichkeit einer Zusage geringer gemacht hätte.

Ich kenne aber auch eine Person aus meinem Umfeld, für die eine BU – schon in den Dreißigern – buchstäblich lebensrettend war, finanziell gesehen. Das zeigt: Je jünger und gesünder du eine BU abschließt, desto günstiger die Beiträge und desto höher die Chance auf eine Zusage ohne Ausschlüsse. Wenn du also noch jung und gesund bist und in einem Beruf arbeitest, in dem der Verlust der Arbeitskraft dich hart treffen würde, ist die BU definitiv eine ernsthafte Überlegung wert – auch wenn ich persönlich keine habe.

Rechtsschutzversicherung

Offiziell wird sie in Beratungen unterschiedlich bewertet – manche Berater:innen listen sie nicht als zwingend nötig. Ich habe sie trotzdem seit meinen ersten Jahren in Deutschland und würde sie nicht mehr aufgeben. Der Grund: Bei meinem allerersten Job in Deutschland wurde mir mein letztes Gehalt nicht ausgezahlt (→ auch dazu mehr in „Meine finanziellen Krisen“) – ich konnte es nicht durchsetzen und musste es einfach hinnehmen. Kurz danach habe ich eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Ich selbst musste sie seitdem zum Glück nicht mehr nutzen, mein Mann einmal. Ob du sie brauchst, hängt stark von deiner persönlichen Risikobereitschaft und Erfahrung ab – ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn andere sie für verzichtbar halten, aber für mich ist sie es nicht.

Meist überflüssig

Laut Verbraucherzentrale und Bund der Versicherten (BdV) zählen folgende Versicherungen in den meisten Fällen zu den eher unnötigen, weil sie entweder kein wirklich existenzielles Risiko absichern oder ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis haben:

  • Handy-, Brillen- und Elektronikversicherungen – der finanzielle Schaden bei Verlust ist meist verkraftbar, und die Beiträge stehen oft in keinem guten Verhältnis zur Leistung.
  • Reisegepäckversicherung – oft schon über Hausrat oder die Fluggesellschaft abgedeckt, mit schlechten Erstattungsquoten.
  • Sterbegeldversicherung und Ausbildungsversicherung – teure Sparprodukte mit meist schlechter Rendite; ein Banksparplan oder ein separates Depot ist in der Regel die bessere Wahl.
  • Krankenhaustagegeld- und Insassenunfallversicherung – die abgesicherten Risiken sind meist schon durch andere Versicherungen (Lohnfortzahlung, Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers) abgedeckt.
  • Kapitallebens- und klassische Rentenversicherungen – hohe Kosten, niedrige Rendite, wenig Flexibilität. Verbraucherschützer:innen bewerten diese Produkte durchweg kritisch.

Ein Sonderfall: Riester-Rente

Die Riester-Rente lohnt sich laut aktueller Einschätzung von Verbraucherzentrale und anderen Fachquellen fast nur noch für ganz bestimmte Gruppen: Familien mit mehreren Kindern (wegen der Kinderzulage von 300 Euro pro Kind, geboren ab 2008), Geringverdiener:innen mit entsprechend hoher Förderquote, und teils Gutverdiener:innen mit hohem Grenzsteuersatz wegen des Sonderausgabenabzugs. Für Singles mit durchschnittlichem Einkommen und ohne Kinder lohnt sie sich in den allermeisten Fällen nicht – die Förderung fällt dafür zu gering aus, um die vergleichsweise hohen Produktkosten auszugleichen.

Wichtig: Wenn du schon einen Riester-Vertrag hast, den du nicht mehr für sinnvoll hältst, ist eine sofortige Kündigung nicht immer die beste Lösung – teils ist eine Beitragsfreistellung (den Vertrag ruhen lassen, statt zu kündigen) wirtschaftlich sinnvoller, gerade bei älteren Verträgen mit noch guten Garantiezinsen.

Was tun mit Versicherungen, die du eigentlich nicht brauchst?

Wenn du deine bestehenden Verträge durchleuchten und Kosten optimieren möchtest: Ich empfehle aus voller Überzeugung, dafür einen Termin bei der Verbraucherzentrale zu machen oder eine:n Honorarberater:in zu konsultieren, die auf Stundenbasis statt auf Provision arbeiten und dir dadurch neutraler beraten können. Gerade bei komplizierten, alten Vertragsbedingungen würde ich mich nicht allein auf eine KI-Prüfung verlassen – die Klauseln sind oft so verschachtelt formuliert, dass eine erfahrene Fachperson zuverlässiger einschätzen kann, was dir im Ernstfall tatsächlich zusteht und worauf du bei einer Kündigung achten musst. Ich kenne aus der Madame-Moneypenny-Community mehrere Geschichten von Menschen, die beim Kündigen alter, kompliziert formulierter Versicherungsverträge auf unerwartete Hürden gestoßen sind – eine fachkundige Prüfung vorab kann das verhindern.

Und was ist mit einer Tierkrankenversicherung?

Für unseren Hund – einen Mischling aus dem rumänischen Tierschutz, den wir mit geschätzt vier Jahren übernommen haben – haben wir uns bewusst gegen eine Krankenversicherung entschieden: Sie hätte monatlich mehr gekostet, als wir realistisch eingespart hätten, zumal viele Vorerkrankungen bei Übernahme ausgeschlossen worden wären. Er hat uns seitdem tatsächlich sehr hohe Tierarztkosten verursacht – ob eine Versicherung sich am Ende doch gelohnt hätte, haben wir im Nachhinein nicht mehr genau geprüft, weil wir uns ohnehin dazu verpflichtet haben, alles Nötige für ihn zu bezahlen. Bei reinrassigen Hunden, die oft anfälliger für bestimmte Erbkrankheiten sind, kann sich eine Tierkrankenversicherung dagegen durchaus lohnen. Beim nächsten Hund würden wir die Ausschlusskriterien jedenfalls nochmal genauer prüfen, bevor wir erneut komplett darauf verzichten.

Gesetzlich oder privat versichert – meine eigene Situation

Ich bin freiwillig gesetzlich versichert, mein Mann privat. Interessanterweise zahle ich monatlich sogar mehr als er – bei deutlich schlechteren Leistungen. Das liegt unter anderem daran, dass meine gesetzlichen Beiträge einkommensabhängig berechnet werden, während sich private Beiträge nach individuellem Risiko und Einstiegsalter richten. Bei meiner eigenen medizinischen Vorgeschichte wurde ich von mehreren Versicherungsmakler:innen geprüft – ich würde von keinem privaten Anbieter angenommen werden. Rückblickend wäre eine private Versicherung für mich wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen, wäre sie mir offen gestanden.

Unser Sohn ist privat versichert. Der Hintergrund: Eine kostenlose Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse ist nur möglich, wenn der jeweilige Elternteil selbst gesetzlich versichert ist – da mein Mann privat versichert ist, hätten wir für unseren Sohn ohnehin zahlen müssen, egal für welches System wir uns entscheiden. Da er als privat Versicherter deutlich bessere Leistungen bekommt (zum Beispiel nimmt unser Kinderarzt nur Privatversicherte oder Selbstzahler:innen an, nicht aber freiwillig gesetzlich Versicherte), haben wir uns für die private Variante entschieden – bei praktisch demselben Beitrag wie bei einer vergleichbaren gesetzlichen Absicherung. Nur als Hinweis, falls du selbst vor dieser Entscheidung stehst: Später, etwa zu Studienzeiten, gibt es für Kinder in der Regel die Möglichkeit, zwischen privater und gesetzlicher Versicherung zu wechseln bzw. in der bestehenden Form zu bleiben – die genauen Regeln dazu würde ich im relevanten Moment nochmal aktuell mit einer unabhängigen Beratungsstelle prüfen.


Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Versicherungsmaklerin oder -beraterin. Dieser Artikel beschreibt allgemeine, recherchierte Informationen sowie meine persönliche Erfahrung und Einschätzung, keine individuelle Versicherungsberatung. Ob und welche Versicherungen für dich sinnvoll sind, hängt von deiner persönlichen Lebenssituation ab – lass dich im Zweifel unabhängig beraten, z. B. bei der Verbraucherzentrale.

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