Finanzielle Freiheit vs. Familie gründen: Der Kompromiss, über den kaum jemand offen spricht

Ich möchte hier ausdrücklich kein Familienblog schreiben – dazu gibt es genug gute Anlaufstellen. Aber eine Familie zu gründen, ist definitiv nie eine rein private Entscheidung ohne finanzielle Konsequenzen. Sie kostet nicht nur direkt Geld, sie verändert auch, wie viel Geld überhaupt reinkommt. Genau diesen finanziellen Aspekt möchte ich hier sachlich beleuchten – ergänzt um meine eigene Erfahrung.

Was ein Kind laut Statistik tatsächlich kostet

Das Statistische Bundesamt hat zuletzt 2018 im Rahmen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe ermittelt, dass Elternpaare im Schnitt rund 763 Euro pro Monat für ein minderjähriges Kind ausgeben – hochgerechnet auf die gesamte Kindheit bis zum 18. Geburtstag ergibt das etwa 165.000 Euro. Rechnet man die Inflation der letzten Jahre mit ein, dürfte der heutige Durchschnittswert eher bei rund 965 Euro monatlich beziehungsweise 200.000 bis 225.000 Euro insgesamt liegen. Die Kosten steigen dabei mit dem Alter des Kindes deutlich an: von rund 679 Euro monatlich im Kleinkindalter auf rund 953 Euro monatlich in der Pubertät.

Regionale Zahlen speziell für Bayern konnte ich in einer offiziellen Quelle nicht zuverlässig finden – für eine genauere bayerische Zahl empfiehlt sich ein Blick ins Bayerische Landesamt für Statistik. Was sich aber sagen lässt: Kinderbetreuungskosten variieren stark zwischen Bundesländern – während Berlin und Hamburg die Kita komplett kostenfrei anbieten, können in Bayern je nach Kommune und Einrichtung mehrere hundert Euro im Monat anfallen.

Der zweite, oft unterschätzte Kostenfaktor: weniger Einkommen

Direkte Ausgaben sind nur die halbe Wahrheit. Der zweite große Effekt: Ein Elternteil – in den allermeisten Fällen die Mutter – arbeitet nach der Geburt deutlich weniger. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeichnen hier ein sehr klares Bild:

  • Teilzeit ist bei berufstätigen Müttern die Regel, bei Vätern die Ausnahme.
  • Von den erwerbstätigen Müttern mit einem Kind arbeiten rund 59 % in Teilzeit, bei zwei Kindern sinkt die Vollzeitquote der Mütter auf etwa 29 %, bei drei oder mehr Kindern auf rund 25 %.
  • Bei Vätern bleibt die Vollzeitquote dagegen weitgehend unabhängig von der Kinderzahl bei über 90 %.
  • Bei Paaren, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind, arbeitet in rund 65 % der Fälle der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit. Nur bei etwa 27 % arbeiten beide Vollzeit.

Das bedeutet: Weniger Einkommen bei gleichzeitig höheren Ausgaben – Miete bleibt gleich oder steigt sogar (größere Wohnung), dazu kommen Windeln, Kinderwagen, Kita-Beiträge und alles, was Eltern ihrem Kind zusätzlich ermöglichen möchten. Wer weniger verdient, kann automatisch auch weniger sparen und investieren – selbst wenn der Wunsch und die Disziplin dafür unverändert da sind.

Meine eigene Entscheidung

Wir haben uns bewusst für eine Familie entschieden. Ich war zum Zeitpunkt der Geburt bereits selbstständig – was noch eine zusätzliche Komplikation mit sich bringt: Als Selbstständige arbeitet man zwar theoretisch flexibel weniger, bekommt aber nicht automatisch Mutterschaftsgeld, wie es Angestellte über ihren Arbeitgeber erhalten. Das war bei mir leider auch der Fall. (Worauf man als Selbstständige bei der Familienplanung konkret achten sollte, ist ein Thema für einen eigenen Beitrag – nur so viel vorab: Wichtig ist zum Beispiel, freiwillig in die gesetzliche Krankenversicherung mit Krankengeldanspruch einzuzahlen, sonst entfällt der Anspruch auf Mutterschaftsgeld komplett.)

Uns war von Anfang an bewusst, dass wir unser Vermögen in dieser Phase nicht im gleichen Tempo weiter aufbauen können wie zuvor – dass sich unser Ziel der finanziellen Freiheit dadurch um mehrere Jahre nach hinten verschiebt. Das war trotzdem unsere bewusste Entscheidung, und Geld ist eben nicht alles.

Ehrlich gesagt wäre es natürlich entspannter, wenn wir zum Zeitpunkt der Familiengründung schon finanziell frei gewesen wären – gerade weil kleine Kinder, besonders im ersten Kita-Jahr, sehr häufig krank sind und man dadurch zeitweise noch weniger arbeiten kann. Aber man kann eben auch nicht endlos warten, bis die perfekten finanziellen Voraussetzungen erreicht sind – die biologische Uhr tickt nun mal unabhängig vom Depotstand.

Was das für dich bedeuten kann

Dieser Artikel soll dir keine Entscheidung abnehmen, sondern dir helfen, sie mit offenen Augen zu treffen: Eine Familie zu gründen, ist finanziell betrachtet ein spürbarer Rückschlag auf dem Weg zur finanziellen Freiheit – sowohl durch direkte Kosten als auch durch reduziertes Einkommen, überwiegend bei der Mutter. Das heißt nicht, dass man auf eine Familie verzichten sollte, um schneller finanziell frei zu werden. Es heißt nur: Geh diese Entscheidung bewusst an, plane damit, und mach dir nichts vor über die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen.

Und ja, man kann eine Familie auch deutlich günstiger stemmen, als es der Durchschnitt vorgibt: Ein gutes Haushaltsbuch hilft dir dabei, auch mit Kind den Überblick zu behalten (→ „Haushaltsbuch führen“). Und gerade bei Kindersachen lohnt sich Gebrauchtkauf besonders – Kinder wachsen und entwickeln sich so schnell, dass Spielzeug, Kleidung und vor allem Schuhe oft kaum abgenutzt sind, wenn sie schon wieder zu klein sind. Kleinanzeigen ist dafür eine echte Fundgrube (→ mehr dazu in „Alle meine Jobs im Aufwand-Geld-Check“, wo ich auch übers Verkaufen auf Kleinanzeigen geschrieben habe).


Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2018 sowie Mikrozensus-Auswertungen zur Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern.


Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und öffentlich zugängliche Statistiken, keine Anlage- oder Familienplanungsempfehlung.

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