Bevor ich wusste, dass es überhaupt „Haushaltsbuch“ heißt, habe ich schon eins geführt – aus purer Not.
Meine erste Berührung mit dem Haushaltsbuch
Es gab eine Zeit, in der ich etwa 700 bis 800 Euro netto im Monat verdient habe – als Aushilfe bei Galeria Kaufhof in der Damenmode, weil ich neben einer selbst finanzierten Weiterbildung im Onlinemarketing nur drei Tage pro Woche arbeiten konnte. Meine Miete lag bei 510 Euro. Rechne dir das mal aus: Da blieb nicht viel Spielraum für Fehler.
Also habe ich angefangen, jeden einzelnen Cent aufzuschreiben, den ich ausgegeben habe – auf einem länglichen Rechnungsumschlag, den ich in meiner Küchennische an die Pinnwand gehängt habe. Nach jedem Einkauf: Kassenzettel mitnehmen, Betrag notieren. Das war mein erster, ganz unbewusster Kontakt mit dem Prinzip Haushaltsbuch.
In dieser Zeit habe ich außerdem konsequent nur bar bezahlt. Keine Kredit- oder Debitkarte – ganz bewusst, weil ich es mir bei meinem niedrigen Gehalt schlicht nicht leisten konnte, ins Minus zu rutschen. Die Fixkosten, die vom Girokonto abgebucht wurden, ließ ich dort liegen. Alles andere – Lebensmittel, Auswärtsessen, Kleidung – habe ich mir zu Monatsbeginn einmal in bar abgehoben. Ich konnte physisch sehen, wie viel noch im Geldbeutel war. Und genau das durfte ich ausgeben – mehr nicht. (Diese Bar-Methode, gerade wenn’s richtig eng ist, verdient einen eigenen Artikel – kommt noch.)
Wie das Madame-Moneypenny-Konzept daraus eine Gewohnheit gemacht hat
Als ich später das Konzept von Madame Moneypenny kennengelernt habe, war das Haushaltsbuch – direkt neben „Bezahl dich zuerst“ (→ [Link zum Artikel]) – eine der ersten Empfehlungen. Und es hat mir von Anfang an Spaß gemacht. So viel Spaß, dass ich es seit September 2018 durchgehend führe. Wenn ich es mal ein paar Monate schleifen lasse, weil zu viel los ist, hole ich es nach – sonst fühlt es sich an, als hätte ich die Kontrolle verloren.
Jetzt, als Selbstständige, ist es sogar noch wichtiger: Meine Einnahmen und Kosten sind von Monat zu Monat unterschiedlich, anders als früher im Angestelltenverhältnis mit festem Gehalt.
Das Grundprinzip: So ist ein Haushaltsbuch aufgebaut
Einnahmen, unterteilt in:
- Reguläre Einnahmen: dein Job, Nebenjob – Dinge, die planbar jeden Monat kommen
- Variable Einnahmen: Kapitalerträge, Zinsen, Geschenke, Steuerrückzahlungen, Gutschriften (z. B. Nebenkosten-Rückzahlung)
Kosten, unterteilt in:
- Fixkosten: Miete, Abos aller Art – egal ob monatlich, vierteljährlich (z. B. der Rundfunkbeitrag) oder jährlich
- Variable Kosten: Lebensmittel, Kleidung, Auswärtsessen, Geschenke, Medikamente, Kosmetik, spontaner Sport (z. B. Schwimmbad-Eintritt ohne Abo) – alles, was schwankt
Wie fein du die variablen Kosten aufschlüsselst, ist dir überlassen. Ich habe am Anfang sehr detailliert gearbeitet – eigene Spalte für Lebensmittel, eigene Spalte für Auswärtsessen und so weiter. Genau diese Detailtiefe empfehle ich, wenn du wirklich optimieren willst.
Die Drei-Monats-Regel
Was die Auswertung dir zeigt
Wenn deine Kosten schon optimiert sind, geht’s auch einfacher
Sobald du deine Kosten so weit optimiert hast, dass du keine großen Überraschungen mehr erwartest, kannst du dein Haushaltsbuch schlanker gestalten: nur noch Einnahmen, Ausgaben Fix und Ausgaben Variabel – so siehst du die Bilanz auf einen Blick, ohne jede Kategorie einzeln aufzuschlüsseln.
Ein Tipp zur Struktur: tageweise statt monatsweise
Meine größte Überraschung dabei
Als ich angefangen habe, mein Haushaltsbuch nach dem Madame-Moneypenny-Prinzip wirklich detailliert zu führen und meine Kosten zu optimieren, konnte ich sofort 100 Euro mehr im Monat einsparen. Und dabei dachte ich vorher, ich sei sparsam! Das war eines meiner größten Learnings – und eine echte Überraschung, wie falsch ich meine eigenen Finanzen bis dahin eingeschätzt hatte.
Deine eigene Vorlage: Excel oder Google Sheets
Die einfachste Variante ist eine eigene Tabelle – in Excel oder, praktischer, in Google Sheets, damit du sie auch vom Handy aus bearbeiten kannst. Grundstruktur:
- Eine Zeile/Spalte für reguläre Einnahmen, eine für variable Einnahmen (wenn du’s einfach halten willst, kannst du beide auch zusammenlegen)
- Eine Zeile/Spalte für Fixkosten, eine für variable Kosten, jeweils so granular unterteilt, wie du möchtest
Kostenlose, fertige Vorlage: Finanzfluss bietet auf der eigenen Website eine gute, kostenlose Haushaltsbuch-Vorlage an → [Link ergänzen]. Ich selbst nutze das Haushaltsbuch-Tool von Madame Moneypenny, das allerdings nicht öffentlich/kostenlos verfügbar ist.
Haushaltsbuch-Apps im Vergleich
Wenn dir Tippen in Excel zu mühsam ist, gibt es inzwischen eine Reihe von Apps für den deutschsprachigen Raum. Fünf gängige Optionen im Überblick, anhand von fünf Kriterien: Kosten, Kontoanbindung, Verfügbarkeit, Datenschutz/Serverstandort und Eignung bei unregelmäßigem Einkommen (z. B. als Selbstständige).
| Tool | Kosten | Kontoanbindung | Verfügbarkeit | Datenschutz | Eignung bei unregelmäßigem Einkommen |
|---|---|---|---|---|---|
| Finanzguru | Basis kostenlos, Plus-Abo für erweiterte Analysen | Automatische Verbindung mit tausenden Banken, KI-gestützte Erkennung wiederkehrender Zahlungen | App (iOS/Android) | Deutsches Produkt – Anbindung läuft über lizenzierte Finanzdienstleister | Guter Überblick, aber stark auf Automatik ausgelegt – bei stark schwankenden Einnahmen ggf. manuell nachjustieren |
| YNAB (You Need A Budget) | Kostenpflichtiges Abo | Manuell/teilautomatisiert, Fokus auf Zuweisungs-Budgetierung | App + Web, Mehrbenutzer-Funktion zum gemeinsamen Führen mit anderen Personen | US-Anbieter – DSGVO-Konformität selbst prüfen | Sehr gut, da die Budgetierungs-Philosophie explizit auf „jeder Euro bekommt eine Aufgabe“ setzt |
| Outbank | Kostenlose Basisversion, Pro-Abo für mehr Konten/Funktionen | Automatische Anbindung mehrerer Banken/Depots in einer App | App + Desktop | Deutscher/EU-Anbieter | Gut, wenn du mehrere Konten/Einnahmequellen zusammen im Blick behalten willst |
| Woolsocks | Kostenlos, finanziert über Partnerschaften/Cashback | Verbindung mit Bankkonten, Kategorisierung in Echtzeit | App | Geschäftsmodell basiert auf Partner-Provisionen – Datennutzung prüfen | Eher für einfache Übersicht, weniger für granulare Selbstständigen-Buchhaltung |
| MoneyControl | Kostenlos/Freemium, manuelle Eingabe im Fokus | Keine oder eingeschränkte automatische Kontoanbindung – bewusst manuell | App | Lokal/manuell geführte Daten, dadurch datensparsam | Sehr gut geeignet, wenn du (wie ich) lieber jede Ausgabe bewusst selbst einträgst statt Automatik zu vertrauen |
NOTIZ FÜR KATALIN – vor Veröffentlichung entfernen
Wichtiger Hinweis für dich, Katalin: Preise und Funktionen bei solchen Apps ändern sich häufig – bitte vor Veröffentlichung nochmal auf den jeweiligen Anbieter-Websites gegenprüfen. Sobald klar ist, für welche Tools es Partnerprogramme gibt, kannst du die Links entsprechend als Affiliate-Links setzen.
Fang einfach an
Wenn du bisher noch kein Haushaltsbuch führst: Fang jetzt damit an. Du wirst überrascht sein, wofür du eigentlich Geld ausgibst – ich war es auch, und ich dachte, ich hätte längst den Überblick. Genau dieser Moment der Überraschung ist es, der am meisten bringt.
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Vorgehensweise beim Vermögensaufbau, keine Anlageempfehlung.
