Ich habe in den letzten Jahren wirklich viel über Geld gelernt – Mindset-Prinzipien, Investmentstrategien, Gewohnheiten. Aber wenn ich ehrlich bin: Das meiste davon ist austauschbar. Es gibt viele Wege, ans Ziel zu kommen. Eine einzige Regel aber hat bei mir alles verändert, und ich kenne keine gleichwertige Alternative dazu. Sie heißt: Bezahl dich zuerst.
Wie ich früher gespart habe (und warum es kaum funktioniert hat)
Früher lief es bei mir wie wahrscheinlich bei den meisten Angestellten: Das Gehalt kommt rein, die Fixkosten werden bezahlt, dann der Rest – Lebensmittel, Spaß, Selfcare, Klamotten, mal auswärts essen. Im Kopf hatte ich dabei immer diesen einen Satz: Ich darf nicht zu viel ausgeben, damit am Monatsende noch was übrig bleibt. Ich hatte mir sogar grob ausgerechnet, wie viel das sein sollte – viel war es nie, ich habe wenig verdient und München war von Anfang an teuer.
Das Ergebnis: Am Monatsende war fast immer weniger übrig, als ich geplant hatte. Und den ganzen Monat über hatte ich diesen leisen Stress im Hinterkopf: Darf ich das jetzt ausgeben? Bleibt dann noch genug übrig? Ich habe damit zwar etwas gespart – aber sehr, sehr wenig.
Der Wendepunkt: Bezahl dich zuerst
2018 habe ich bei Madame Moneypenny das Prinzip „Bezahl dich zuerst“ kennengelernt. Die Idee dreht das komplette System um: Ich kannte mein fixes Gehalt, kannte grob meine monatlichen Fixkosten – und habe daraus errechnet, wie viel realistischerweise übrig bleiben sollte, inklusive eines kleinen Puffers für Unvorhergesehenes, Kino oder mal auswärts essen.
Diesen Betrag habe ich dann sofort, sobald das Gehalt kam, auf ein Tagesgeldkonto überwiesen. Die Zinsen waren damals mikroskopisch klein – darum ging es auch gar nicht. Es ging einzig darum, dass das Geld weg war von dem Girokonto, über das ich meine laufenden Kosten bezahle.
Das Ergebnis hat mich selbst überrascht: Nicht nur blieb tatsächlich das gespart, was ich geplant hatte – ich hatte auch einen viel entspannteren Umgang mit Geld. Ich musste nicht mehr die ganze Zeit denken „darf ich das ausgeben?“, weil das Sparziel ja bereits erreicht war. Der Rest durfte ich einfach ausgeben. Ich habe mich reicher gefühlt – nicht ärmer. Und am Ende des Monats war trotzdem noch etwas übrig.
Mit der Zeit kam sogar noch ein kleines Spiel dazu: Sobald sich 100 Euro extra angesammelt hatten, habe ich auch die weggelegt. So habe ich mit der Zeit sogar mehr gespart, als ursprünglich geplant, und konnte meine monatliche Sparquote immer weiter erhöhen. Am Ende habe ich fast 40 % meines Einkommens gespart – als Angestellte mit unter 2.000 Euro netto im Monat. Ohne das Gefühl, auf irgendetwas zu verzichten.
(Was ich mit einem Teil davon später gemacht habe – Stichwort ETFs – ist eine andere Geschichte, die ich in einem separaten Artikel erzähle. Hier soll es wirklich nur um das Prinzip „Bezahl dich zuerst“ gehen.)
So fängst du an: Bezahl dich zuerst in 5 Schritten
1. Eröffne ein Tagesgeldkonto
2. Finde heraus, wie viel du wirklich sparen kannst
Schreib dabei wirklich alles auf, ohne zu werten oder etwas „schönzurechnen“ – alle Einnahmen und alle Ausgaben. Wichtig: Lass auch die einmaligen Dinge drin. Jeden Monat gibt es irgendetwas, das nur in diesem einen Monat vorkommt: die kaputte Waschmaschine, das Bußgeld für die vergessene Monatskarte oder zu schnelles Fahren, der Geburtstag mit Restaurantbesuch für die Freundinnen, die Steuerrückzahlung oder -nachzahlung. Diese Posten gehören dazu – nicht wegdenken, nicht rausrechnen.
3. Ermittle deinen Durchschnitt
4. Richte einen Dauerauftrag ein
5. Falls es doch mal eng wird
Ein Punkt noch, falls du mit Kredit- oder Debitkarte zahlst: Achte darauf, dass zum Abbuchungszeitpunkt (meist Monatsende oder Anfang des Folgemonats) noch genug Geld auf dem Girokonto liegt, um diese Kosten zu decken. Wenn du dein Haushaltsbuch sauber geführt hast, sind diese Ausgaben aber ohnehin schon in deiner Kalkulation aus Schritt 2 und 3 mit drin – dann passiert dir das nicht.
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Vorgehensweise beim Vermögensaufbau, keine Anlageempfehlung.
