Du sparst anders, wenn du arm bist, als wenn du reich bist
Das hier wird der erste von vielen Artikeln rund ums Sparen – dazu kommt noch einiges. Aber bevor ich in einzelne Tipps und Strategien einsteige, möchte ich mit dem Grundsatz anfangen, der für mich ein echter Aha-Moment war: Sparen ist nicht gleich Sparen. Ob du sparst, um am Monatsende überhaupt nicht ins Minus zu rutschen, oder ob du sparst, weil du dein Geld bewusst für später zurücklegen willst, statt es einfach auszugeben – das sind zwei völlig verschiedene Übungen, mit unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Strategien.
Die Geschichte, die mir das klargemacht hat
Während meines Studiums in Ungarn hatte ich ein Darlehen (das ich später zurückzahlen musste) und ein kleines Stipendium – meine Noten waren nicht die besten, aber es hat für ein bisschen gereicht. Dazu kamen kleine, befristete Jobs: Rosen verpacken, Eis verkaufen, Regale auffüllen.
Einige Kommilitonen von mir haben nebenbei angefangen, als Finanzberater zu arbeiten. Zum Üben haben sie mit mir ein typisches Erstgespräch durchgespielt – mit den klassischen Fragen: Was sind deine Einnahmen? Was sind deine Ausgaben? Das Ziel dieser Gespräche ist normalerweise, am Ende einen monatlichen Überschuss zu finden, den man dann investieren beziehungsweise in ein Finanzprodukt stecken soll.
Wir haben es durchgerechnet – und ich hatte kein Haushaltsbuch, also war es eine Schätzung – aber das Ergebnis stand fest: Ich war jeden Monat mindestens 100 Euro im Minus. Das Verkaufsgespräch war damit gestorben; da war schlicht nichts, was man hätte investieren können. Wir haben damals darüber gelacht. Aber es ist die traurige Realität in Ungarn: Die Preise sind teilweise ähnlich wie in Deutschland, die Löhne aber nur ein Bruchteil davon. Man wird kreativ, nur um am Ende des Monats noch essen zu können. Über finanzielle Freiheit nachzudenken, ist in so einer Situation weit weg – man denkt eher darüber nach, wie man aus dem ständigen Verzichten überhaupt herauskommt.
Genau da beginnt der Unterschied, um den es in diesem Artikel geht.
Sparen, wenn du arm bist
Damit meine ich: Du verdienst sehr wenig, musst auf sehr vieles verzichten und bist am Monatsende bestenfalls knapp über null. Du wartest förmlich auf das nächste Gehalt – und sobald es da ist, fressen die Fixkosten es fast sofort wieder auf. In dieser Situation geht es erstmal nicht ums Vermögen aufbauen, sondern ums Überleben und Stabilisieren. Das Gute daran: Diese Phase ist – mit den richtigen Maßnahmen und in dieser Reihenfolge – temporär.
Schritt 1: Kosten senken, notfalls radikal
Das ist der erste und wichtigste Hebel, bevor überhaupt irgendetwas anderes Sinn ergibt.
- Sozialleistungen prüfen und nutzen. Als ich sehr wenig Geld hatte, war Bürgergeld (früher Hartz IV / Arbeitslosengeld II) eine Option. Auch der München-Pass war für mich sehr wichtig – wer anspruchsberechtigt ist, bekommt damit z. B. eine günstigere Monatskarte. Andere Städte haben vergleichbare Angebote.
- Günstigste Lebensmittel und Kleidung kaufen, nicht ausgehen, immer eine eigene Wasserflasche mitnehmen, statt unterwegs überteuerte Getränke zu kaufen.
- Ehrlicher Punkt, den ich nicht empfehle, aber der mir damals geholfen hat: In meinen frühen Zwanzigern habe ich zeitweise das Frühstück ausgelassen, weil ich später sonst noch mehr Hunger bekommen habe. Gesund war das nicht, und ich würde es heute nicht mehr machen – ich erwähne es trotzdem, weil es ehrlich zu meiner damaligen Realität gehört. Was tatsächlich geholfen hat: Zeitweise habe ich im Catering gearbeitet, wo Essen inklusive war.
- Verträge regelmäßig durchtelefonieren. Handyvertrag zum Beispiel alle sechs Monate anrufen und mit Kündigung „drohen“ – oft gibt es dann ein besseres Angebot, auch innerhalb der Laufzeit. (Guter Reminder auch für mich gerade – meine sechs Monate sind wieder rum!)
- Zu Hause kochen statt bestellen. Ich hasse Kochen und bin auch nicht besonders gut darin – aber wenn’s nötig ist, mache ich es, weil Lieferdienst und Fertiggerichte um ein Vielfaches teurer sind.
- Heizung runterdrehen, dafür warm anziehen. Ich habe einen sehr flauschigen, burgundroten Wintermantel, den ich 2014 bei Otto für 5 Euro im Restposten-Sale ergattert habe (Foto folgt – die Farbe ist wirklich ein Statement). Der hat mich so warm gehalten, dass 17–18 Grad Zimmertemperatur locker gereicht haben. Am Jahresende gab’s dafür eine ordentliche Nebenkosten-Rückerstattung.
- Strom konsequent sparen: Nachts den Router ausschalten, Föhn, Wasserkocher, Toaster, Heißluftfritteuse, Fernseher und alles mit Stand-by-Kontrolllämpchen komplett vom Strom nehmen statt im Stand-by zu lassen. Überall Sparlampen einbauen.

Schritt 2: Trotzdem etwas an die Seite legen – und sei es minimal
Erst wenn die Kosten wirklich runter sind, kommt der zweite Schritt: ein Tagesgeldkonto eröffnen. Das kostet nichts, und du kannst einzahlen, egal wie wenig es ist – 5, 10, 15 Euro reichen völlig zum Anfangen.
Als ich 700 Euro netto verdient und 500 Euro Miete gezahlt habe, konnte ich trotzdem 50 Euro im Monat zurücklegen (die ich damals leider in einem Bausparvertrag „geparkt“ habe – aber ich habe es geschafft). Selbst wenn du Bürgergeld beziehst, darfst du ein bisschen sparen – das ist erlaubt. Genau darum geht es: ganz langsam anfangen, selbst wenn du am Ende des Monats schon zu Fuß gehst statt Bus zu fahren oder nur noch Brot und Margarine im Einkaufswagen hast.
Dieser kleine Betrag verbessert nicht nur dein Mindset, er gibt dir auch echte Handlungsfähigkeit: Wenn dann zum Beispiel die Waschmaschine kaputtgeht und dein laufendes Gehalt das nicht auffangen kann, hast du einen Puffer. Wie du das Ansparen automatisierst, beschreibe ich im Detail in meinem Artikel zu „Bezahl dich zuerst“ (→ Link).
Schritt 3: Erst danach an die Einnahmen ran
Wenn Kosten gesenkt und eine erste kleine Rücklage aufgebaut sind, kommt der dritte Hebel: mehr verdienen. Das kann eine Gehaltserhöhung oder Beförderung sein, ein Jobwechsel, ein Nebenjob oder eine Selbstständigkeit – nebenbei oder komplett.
Wichtig dabei: Mehr Einnahmen sind fast immer erst mit mehr Kosten und Zeitaufwand verbunden, bevor sie sich auszahlen – ein Nebenjob bringt frühestens nach dem ersten Monat etwas, eine Selbstständigkeit braucht Anlaufzeit, bis sie profitabel ist. Ohne eine gewisse Rücklage im Rücken würde ich deshalb nicht kopfüber in die Vollzeit-Selbstständigkeit springen. Erst die Basis (Schritt 1 und 2), dann der Sprung.
Sparen, wenn du schon vermögend bist / gut verdienst
Ganz anderes Spiel: Du kannst alle Kosten decken, es droht dir keine Insolvenz, wenn du dir doch das eine oder andere leistest. Trotzdem willst du nicht einfach alles ausgeben, sondern bewusst etwas zurücklegen, um wirklich Vermögen aufzubauen statt nur gut zu leben.
Die größte Herausforderung hier ist nicht Kostenreduktion, sondern schlicht Nein sagen – auf Dinge verzichten, die du dir eigentlich leisten könntest. Das Geld muss direkt und automatisch weg vom Konto sein (→ auch hier gilt wieder „Bezahl dich zuerst“), sonst passiert es einfach nicht.
Entscheidend ist dabei, an der richtigen Stelle zu verzichten – nämlich dort, wo es dir persönlich am wenigsten wichtig ist, statt pauschal überall zu kürzen. Sonst fühlst du dich arm, obwohl du es nicht bist – und das ist nicht der Sinn der Sache. Bei mir sieht das zum Beispiel so aus: Ich brauche kein Auto, keine Markenklamotten, mein Handy muss nicht immer das neueste sein – dafür würde ich mich in einer Altbauwohnung auf dem Land oder am Stadtrand sehr unwohl fühlen, und auf Auswärtsessen möchte ich nicht verzichten. Andere setzen ihre Prioritäten genau andersherum. Beides ist richtig – Hauptsache, unterm Strich wächst dein Vermögen.
Checkliste: Bewusst sparen, ohne dich arm zu fühlen – ✅ Automatisiere das Sparen, statt jeden Monat neu zu entscheiden (→ „Bezahl dich zuerst“) – ✅ Führe ein Haushaltsbuch, um zu sehen, wo dein Geld wirklich hinfließt (→ Link zum Haushaltsbuch-Artikel) – ✅ Identifiziere 2–3 Posten, die dir wirklich wichtig sind – und kürze dort bewusst nicht – ✅ Identifiziere im Gegenzug Posten, die dir egal sind – dort darfst du radikal sparen – ✅ Prüfe regelmäßig, ob dein „Nein“ noch zu deinen echten Prioritäten passt, nicht zu denen anderer – ✅ Sobald Geld übrig bleibt: einen Teil investieren statt nur anzusparen (→ eigene Artikel zum Thema Investieren folgen)
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Vorgehensweise beim Vermögensaufbau, keine Anlageempfehlung.
