Kann ich mir das leisten? Warum das die falsche Frage ist

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Titel-Alternativen aus deinem Entwurf, falls dir eine davon besser gefällt: „Brauche ich das wirklich, oder will ich es nur?“, „Wie ich entscheide, ob eine Anschaffung sich lohnt“ – dann bitte auch den Permalink anpassen.

Solange du wenig Geld hast, ist die Reihenfolge klar: Zuerst Fixkosten und das Nötigste – Miete, Mobilität, Lebensmittel –, und was übrig bleibt, geht in kleine Wünsche wie einen Kaffee unterwegs oder mal neue Klamotten. Die Entscheidung, wie viel du dir davon leisten kannst, trifft im Grunde dein Kontostand für dich.

Sobald du mehr verdienst, wird es komplizierter. Plötzlich kannst du dir vieles leisten – aber „ich kann es mir leisten“ ist die falsche Frage, wenn du gleichzeitig Vermögen aufbauen und finanziell frei werden willst. Die eigentliche Frage lautet: Brauche ich das wirklich, oder will ich es nur?

Meine aktuelle Geschichte: die Autosuche

Wir suchen gerade ein neues Auto und könnten uns problemlos ein Fahrzeug der High-End-Klasse leisten. Bei einer Probefahrt neulich waren wir richtig begeistert: viel Platz (der Kinderwagen musste nicht mal komplett zusammengeklappt werden, Hund und Einkauf passten trotzdem noch rein), eine erhöhte Sitzposition mit guter Übersicht, Glasdach, Parkassistent, jede Menge Extras.

Auf der Rückfahrt haben wir uns dann ehrlich gefragt: Ist das schön? Ja, total. Können wir es uns leisten? Auch ja. Brauchen wir es? Nein. Ein größeres Auto bedeutet automatisch höhere Kosten – größerer Akku und damit teureres Laden (oder mehr Benzinverbrauch), höhere Steuer, teurere Wartung. Wir wollen aber finanzielle Freiheit erreichen, und wenn wir ganz ehrlich sind, erfüllt ein kleineres Auto genau denselben Zweck: uns zuverlässig von A nach B bringen, mit Platz für Kind, Hund und Einkauf. Also suchen wir weiter, diesmal kleiner und ohne Vollausstattung.

Der Unterschied zwischen Statussymbol und echtem Bedürfnis

Ein größeres, protzigeres Auto zu wollen, nur weil es auf Instagram beeindruckend aussieht oder weil „man“ eben ein bestimmtes Auto fährt, ist genau die Art von Ausgabe, die dich am Vermögensaufbau hindert, ohne dass sie deinem tatsächlichen Leben etwas Wesentliches hinzufügt.

Wichtig dabei: Was für dich ein reines Statussymbol ist, kann für jemand anderen ein echtes Bedürfnis sein – und umgekehrt. Mir persönlich ist es beim Auto komplett egal, welche Marke ich fahre – Hauptsache zuverlässig, bequem genug und mit Platz für das, was wir regelmäßig transportieren müssen. Genauso ist es mir bei Kleidung egal: Ich kaufe zu 99,9 % gebraucht und bin damit vollkommen zufrieden. Dafür ist mir extrem wichtig, mitten in München mit Garten zu wohnen – dafür geben wir deutlich mehr aus als Freunde, die weiter draußen wohnen. Würde ich stattdessen günstiger am Stadtrand in einem größeren Altbau wohnen, würde ich mich jeden Tag unwohl fühlen, egal wie viel Geld ich dadurch sparen würde. Diese Mehrkosten nehmen wir bewusst in Kauf, weil sie uns wirklich wichtig sind – anders als ein größeres Auto.

Wenn dir dagegen die Automarke wichtig ist und dir ein „einfaches“ Auto ein schlechtes Gefühl gibt, ist das genauso legitim – dann ist das eben dein bewusster Wert, für den du bereit bist zu zahlen, während du an anderer Stelle sparst. Es geht nicht darum, dass es eine „richtige“ Antwort gibt, sondern dass du bei jeder größeren Ausgabe bewusst entscheidest, statt aus reinem Impuls oder gesellschaftlichem Druck heraus zu kaufen.

Wie ich konkret entscheide

1. Nie sofort kaufen, egal wie euphorisch du gerade bist. Gerade nach einer Probefahrt ist man automatisch begeistert – genau deshalb sollte man nie direkt danach unterschreiben. Ein paar Tage Abstand, weitere Angebote anschauen, vergleichen. Das gilt für ein Auto genauso wie für kleinere Anschaffungen wie ein neues Paar Schuhe.

2. Harte Fakten statt Bauchgefühl. Bei einem Auto zum Beispiel: Wie viele Kilometer fährst du tatsächlich im Jahr? Wie groß ist dein Tiefgaragenstellplatz? Wo lädst du es auf? Wie hoch sind die jährlichen Steuer- und Wartungskosten? Heutzutage lässt sich sowas mit KI-Unterstützung sehr schnell durchrechnen.

3. Immer eine güns­tigere Alternative dagegenrechnen. Wir haben zum Beispiel auch durchgerechnet, wie es wäre, gar kein Auto zu haben und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel oder ein E-Bike zu setzen. Erst im Vergleich siehst du, wie viel dich die „schönere“ Option wirklich zusätzlich kostet – und ob dir das den Aufpreis wert ist.

4. Bei kleineren Beträgen: kurze Reflexionspause statt Impulskauf. Es gibt dazu die sogenannte 30-30-Regel: Kostet etwas mehr als 30 Euro, warte mindestens 30 Stunden, bevor du kaufst. Ab 100 Euro empfiehlt sich sogar eine Wartezeit von 30 Tagen. Der Onlinehandel setzt bewusst auf Bequemlichkeit und leichte Rückgabe, aber realistisch schickt kaum jemand wirklich alles zurück, was er eigentlich nicht gebraucht hätte.

5. Kosten pro Nutzung mitdenken. Ein hilfreicher Perspektivwechsel, gerade bei Kleidung: Nicht nur der Kaufpreis zählt, sondern wie oft du etwas tatsächlich nutzen wirst. Ein teureres Teil, das du über Jahre ständig trägst, kann pro Nutzung günstiger sein als ein billiges Teil, das nach dreimal Tragen im Schrank verschwindet. Umgekehrt lohnt sich die Frage bei einer vierten Sneaker-Variante: Trage ich die drei, die ich schon habe, überhaupt regelmäßig, oder sollte ich eher aussortieren, statt aufzustocken?

6. Wenn das Geld noch nicht da ist, erst ansparen. Wenn du dir etwas wünschst, aber das nötige Geld nicht einfach so ausgeben kannst, ohne in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten zu geraten: Leg dafür ein separates Tagesgeldkonto an und spare gezielt darauf hin (→ „Bezahl dich zuerst“). Bis die Summe zusammen ist, hast du automatisch genug Zeit, in Ruhe zu prüfen, ob du es wirklich willst.

Warum das für die Rente wichtig ist

Auch wenn du gerade gut verdienst, heißt das nicht, dass das für immer so bleibt oder dass automatisch für später gesorgt ist. Die gesetzliche Rente reicht für die meisten von uns nicht aus, um denselben Lebensstandard zu halten – wir müssen selbst vorsorgen (→ „Was ist eigentlich finanzielle Freiheit?“). Jede unüberlegte, rein statusgetriebene Ausgabe heute ist Geld, das dir später für genau den Lebensstandard fehlt, den du dir eigentlich wünschst.

7. Eine grobe Budget-Faustregel fürs Auto. Für den Autokauf selbst kursiert häufig die Faustregel, den Kaufpreis auf maximal etwa 35 % deines Netto-Jahreseinkommens zu begrenzen. Für die laufenden monatlichen Kosten (Rate, Versicherung, Steuer, Sprit, Wartung zusammen) empfehlen deutsche Finanzportale und Banken meist 15 bis 25 % deines monatlichen Nettoeinkommens, wobei eine reine Finanzierungsrate für sich allein 10 bis 15 % nicht überschreiten sollte.

Fallbeispiel: Wann sich ein teureres Ticket wirklich lohnt

Nicht jede teurere Option ist automatisch unnötiger Luxus – manchmal hängt der tatsächliche Mehrwert stark von deiner Situation ab, nicht vom Produkt selbst. Ich fahre regelmäßig mit dem Railjet (ÖBB) nach Ungarn, um meine Familie zu besuchen – eine rund siebenstündige Fahrt. Es gibt Zweite Klasse (ca. 30–40 Euro), Erste Klasse (ca. 60–80 Euro) und Business Class (unterschiedlich, teils ähnlich Erster Klasse, teils fast doppelt so teuer).

Wenn ich allein reise, buche ich ohne zu zögern die Zweite Klasse – bequem, viel Platz, ein Restaurantwagen, alles top. Der Aufpreis für eine höhere Klasse würde meine Reise kaum spürbar angenehmer machen. Seit wir aber mit unserem Kleinkind reisen, sieht die Rechnung anders aus: Beim ersten Mal (Zweite Klasse, unser Sohn war ein Jahr alt und sehr bewegungsfreudig) war die Fahrt anstrengend für uns und andere Fahrgäste. Beim nächsten Mal habe ich Erste Klasse gebucht – schon deutlich entspannter, aber immer noch nicht genug Rückzugsraum. Als ich zuletzt allein mit ihm gereist bin, habe ich eine private Business-Class-Box mit nur zwei reservierten Plätzen gebucht – deutlich teurer, grob mehr als doppelt so viel wie die Zweite Klasse. Aber: Er konnte frei in der Box herumlaufen, ohne andere zu stören, ich hatte alles griffbereit für Wickeln und Essen, und wir hatten für die ganze Fahrt echte Ruhe.

Der Punkt dabei: Derselbe Kaufgegenstand (ein Bahnticket) kann je nach Lebenssituation eine unnötige oder eine absolut gerechtfertigte Mehrausgabe sein. Allein reise ich weiterhin Zweite Klasse – mit Kleinkind über eine so lange Strecke greife ich inzwischen bewusst zur teureren Option, weil der Unterschied in der Lebensqualität für uns spürbar und real ist, nicht nur ein nettes Extra.


Mehr zum Thema:

  • Wie du dein Sparen automatisierst, damit dir das Geld für größere Wünsche gar nicht erst „im Weg“ liegt → „Bezahl dich zuerst
  • Der Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, wenn es um teure Anschaffungen geht → „Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten?

Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und Einschätzung, keine Anlageempfehlung.

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