Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten? Der Unterschied, den kaum jemand richtig macht

Ein Auto. Eine eigene Wohnung oder ein Eigenheim. Für viele von uns – gerade wenn wir so aufgewachsen sind – gelten das als die ultimativen Ziele, die „es geschafft haben“ bedeuten. Das Problem: Beides sind in aller Regel keine Vermögenswerte, sondern Verbindlichkeiten. Und dieser Unterschied ist entscheidend, wenn du finanziell frei werden willst.

Was ist überhaupt der Unterschied?

Ganz einfach gesagt:

  • Ein Vermögenswert bringt dir Geld ein, ohne dass du aktiv dafür arbeiten musst – zum Beispiel Dividenden, Mieteinnahmen aus einer vermieteten Immobilie oder Kursgewinne aus Aktienfonds.
  • Eine Verbindlichkeit kostet dich Geld, unabhängig davon, ob du sie nutzt oder nicht – Anschaffungskosten, laufende Kosten, Wertverlust.

Ein Auto verliert mit jedem gefahrenen Kilometer und jedem Jahr an Wert. Es kostet Steuer (in Deutschland z. B. die Kfz-Steuer, die mit Hubraum und Schadstoffausstoß steigt), Wartung, Reparaturen, Versicherung. Außer dem Nutzen, den du während der Fahrt hast, bleibt am Ende nichts für deine Zukunft übrig. Ein selbst bewohntes Eigenheim ist im Kern genauso: Es bringt dir kein Einkommen, sondern kostet laufend – Zinsen, Instandhaltung, Renovierung, Grundsteuer.

Die Geschichte meiner Eltern

Für meine Eltern war ein Eigenheim das ultimative Ziel. Sie haben sich dafür für 30 Jahre verschuldet. Das Haus steht in einer Gegend, die praktisch ausstirbt – niemand von uns Kindern wird jemals dort hinziehen. Das Haus verliert also kontinuierlich an Wert, und wenn meine Eltern irgendwann nicht mehr dort wohnen können, werden wir es für einen Bruchteil dessen verkaufen müssen, was sie insgesamt investiert haben. Außer einem Dach über dem Kopf bleibt uns Kindern davon am Ende nichts.

Dem gegenüber steht die Geschichte eines Verwandten: Er hatte sein Geld in Aktienfonds angelegt. Als er gestorben ist, hat meine Mama daraus einen ordentlichen Betrag geerbt – Geld, das sie völlig frei nutzen konnte, sofort verfügbar, nicht gebunden an einen Ort oder eine Immobilie.

Genau deshalb war ich immer wieder schockiert, wenn meine Eltern mich gefragt haben: „Wann kaufst du dir endlich ein Auto? Wann kaufst du endlich eine Wohnung?“ Sie wollten im Grunde, dass ich mich genauso verschulde, wie sie es getan haben. Schulden, die nicht in echte Investitionen fließen, finde ich schlicht schrecklich.

Warum Immobilien und teure Anschaffungen dich vom Ziel abbringen

Selbst wenn du eine Immobilie ohne Kredit kaufen könntest – zum Beispiel etwas Kleines in einer günstigeren Region – bleibt ein Grundproblem: Dein Geld steckt in einer einzigen Assetklasse, einem einzigen Produkt, an einem einzigen Ort. Kommt eine Naturkatastrophe, wird eine Kiesgrube nebenan gebaut, oder verändert sich die Region wirtschaftlich – du kannst nichts mehr tun. Der Wert ist gebunden.

An der Börse investiertes Vermögen ist dagegen liquide (Immobilien sind es per Definition schon vom Wort her nicht) und lässt sich viel breiter diversifizieren. Geht eine Branche, eine Firma oder ein Land wirtschaftlich zurück, tragen andere Assetklassen und Aktien dein Vermögen weiter – der Verlust wird abgefedert.

Das gleiche Prinzip gilt für andere teure Anschaffungen: Ein teures Auto bringt dich von A nach B – genau wie ein günstiges. Der einzige Unterschied ist, dass das teure Auto höhere Kfz-Steuer, teurere Reparaturen und teurere Wartung mit sich bringt (allein ein Ölwechsel kostet bei einem Premiumhersteller deutlich mehr als bei einem günstigeren Modell). Alles darüber hinaus ist reiner Zusatz – und jede zusätzliche Verbindlichkeit verzögert deinen Weg zum Vermögensaufbau.

Der Trugschluss von „reich aussehen“

Menschen, die scheinbar reich wirken – großes Haus, mehrere Autos, jedes Jahr Urlaub an der Riviera – stecken sehr häufig am tiefsten im Hamsterrad. Um das alles Monat für Monat zu finanzieren – Heizung, Putzen, Instandhaltung, Reparaturen, Renovierungen – müssen sie extrem viel arbeiten und hängen dadurch besonders stark an ihrer Einkommensquelle, um nicht in die Insolvenz zu rutschen. Äußerer Wohlstand und tatsächliche finanzielle Freiheit sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Eine grobe Richtgröße für deine Fixkosten

Als Richtwert: Deine Fixkosten sollten nicht mehr als etwa 40 % deines monatlichen Nettoeinkommens ausmachen. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan, gerade bei niedrigerem Einkommen – realistisch liegt der Anteil dort häufig eher bei 60–80 %, weil allein die Fixkosten schon einen Großteil auffressen. Aber genau dann sollte das Ziel sein, nicht in noch teurere Anschaffungen zu gehen, sondern eher zu reduzieren: das Handy reparieren lassen statt es zu ersetzen, ein günstigeres statt ein schickeres Auto kaufen – die Funktion bleibt dieselbe, aber du hast mehr übrig, das für dich arbeiten kann, sei es an der Börse, auf einem Tagesgeldkonto oder auch in Staatsanleihen.


Mehr zum Thema: Was finanzielle Freiheit eigentlich bedeutet und warum sie nicht an einer bestimmten Summe, sondern an passivem Einkommen hängt → „Was ist eigentlich finanzielle Freiheit?

Das Minispiel: Vermögenswert oder Verbindlichkeit?

Grau ist alle Theorie – deshalb hier zehn ganz konkrete Dinge. Entscheide bei jedem: Bringt es dir Geld ein, oder holt es Geld aus deiner Tasche? Ganz ehrlich: Die ersten paar sind unangenehmer, als man denkt.

Frage 1 von 10 Punkte: 0
Eigenheim (selbst bewohnt)

Wenn dich ein Ergebnis überrascht hat: Genau darum geht es. Die meisten Dinge, die wir uns als Belohnung gönnen, sind Verbindlichkeiten – und die meisten Dinge, die uns wirklich weiterbringen, sehen von außen nach nichts aus.


Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Einschätzung, keine Anlageempfehlung.

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