Nicht alle Schulden sind schlecht

Gute und schlechte Schulden – und wie ich das für mich unterscheide

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Titel-Alternativen aus deinem Entwurf, falls dir eine davon besser gefällt: „Gute Schulden, schlechte Schulden“, „Wann sich ein Kredit wirklich lohnt“ – dann bitte auch den Permalink anpassen.

Schulden haben in der Finanzwelt einen schlechten Ruf – zu Recht, in den meisten Fällen. Aber nicht jede Schuld ist automatisch schlecht. Der Unterschied liegt darin, wofür du das geliehene Geld einsetzt.

Warum die meisten Kredite schlecht sind

Ein Kredit bedeutet: Du gibst heute dein zukünftiges Geld aus – Geld, das du erst noch verdienen musst. Und dafür zahlst du extra, in Form von Zinsen. Nimmst du einen Kredit auf, um dir eine Verbindlichkeit zu kaufen (→ mehr zum Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten in „Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten?“) – ein Auto, ein neues Handy, Möbel, sogar eine Hochzeit –, zahlst du am Ende mehr, als wenn du direkt in bar oder per Überweisung gezahlt hättest, ohne dafür einen Gegenwert zu bekommen, der dir Geld einbringt. Das heißt nicht, dass du dir nie etwas Schönes gönnen sollst – aber genau hier lohnt sich die ehrliche Frage, ob du es wirklich brauchst (→ „Kann ich mir das leisten? Warum das die falsche Frage ist“).

Aktuelle Zahlen zur Einordnung: Laut Bundesbank lag der durchschnittliche effektive Jahreszins für neue Konsumentenkredite an private Haushalte im März 2026 bei rund 8,1 % – bei längerer Zinsbindung (über 5 Jahre) sogar bei 8,6 %. Das ist die Latte, gegen die sich jede Überlegung „Kredit aufnehmen und das Geld stattdessen investieren“ schlagen muss.

Meine eigene Überlegung: Auto finanzieren statt bar zahlen?

Mein Mann und ich haben genau das kürzlich durchgerechnet: Wir könnten unser neues Auto bar zahlen, aus unserem Depot bzw. Tagesgeldkonto – aber dann arbeitet dieses Geld nicht mehr für uns (keine Zinsen, keine Dividenden). Die Alternative: das Auto finanzieren und das eigene Geld weiter investiert lassen. Das würde sich nur lohnen, wenn die Kreditkosten niedriger wären als die Rendite, die wir mit dem Geld an der Börse im gleichen Zeitraum realistisch erzielen könnten.

Das Ergebnis: Bei aktuell rund 8 % effektivem Jahreszins für einen Konsumentenkredit lohnt sich das nicht – zumal wir eine sichere, feststehende Kreditbelastung gegen eine unsichere, schwankende Börsenrendite abwägen würden. Also zahlen wir bar bzw. per Direktüberweisung.

Die Schufa: Was ein Kredit für deine Bonität bedeutet

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Praktisch jede Form von Finanzierung – auch ein finanziertes Handy, ein Ratenkredit oder eine Kreditkarte – wird bei der Schufa erfasst. Das ist aber nicht grundsätzlich negativ:

  • Pünktlich bediente Ratenkredite, Handyverträge oder Leasingverträge gelten in einem üblichen Maß sogar als positive Einträge – sie zeigen, dass dir Kreditinstitute vertrauen.
  • Problematisch wird es erst, wenn du Zahlungen nicht oder wiederholt zu spät leistest – das führt zu einem echten Negativeintrag und verschlechtert deinen Score deutlich.
  • Vorsicht bei „Kauf auf Rechnung“ und Ratenkäufen über Klarna, PayPal Ratenzahlung & Co. (BNPL – „Buy Now, Pay Later“): Jeder einzelne dieser Käufe wird in der Schufa als eigenständige Kreditverbindlichkeit erfasst, nicht als harmloser kleiner Einkauf. Wer mehrere davon gleichzeitig offen hat, kann dadurch unbemerkt seinen Score belasten.
  • Viele neue Vertragsabschlüsse oder Kreditanfragen innerhalb kurzer Zeit (z. B. mehrere Handyverträge, Kreditkarten oder Kreditanfragen in wenigen Monaten) wirken sich vorübergehend negativ aus – auch wenn du am Ende gar keinen der Kredite tatsächlich aufnimmst.

Ein guter Schufa-Score ist relevant für vieles im Alltag: eine Wohnung mieten, einen Handyvertrag ohne Vorkasse bekommen, später einen Immobilienkredit zu guten Konditionen erhalten – und teils auch für bestimmte Jobs mit besonderer finanzieller Verantwortung. Mein erstes Smartphone in Deutschland habe ich damals über einen Vertrag mit Ratenzahlung finanziert, weil ich kein Geld hatte – im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass das ganz automatisch in meiner Schufa-Akte gelandet ist.

Wann sich ein Kredit wirklich lohnt

Ein Kredit kann sich lohnen, wenn er dir hilft, in Zukunft mehr Geld zu verdienen, als er dich kostet:

Eine vermietete Immobilie: Ein klassisches Beispiel für „gute Schulden“. Die Miete deckt Zins und Tilgung, oft sogar mit etwas Überschuss. Nach einigen Jahren – häufig zehn bis fünfzehn oder mehr – ist der Kredit abbezahlt, die Mieteinnahmen fließen aber weiter. Eine echte Langzeitinvestition.

Investitionen ins eigene Unternehmen: Wer zum Beispiel physische Produkte verkauft, braucht oft schon vor den ersten Kundeneinnahmen Kapital für Lagerbestand oder Material. Ein Kredit dafür kann sich lohnen, wenn die künftigen Einnahmen die Kreditkosten deutlich übersteigen. Genauso können Investitionen in eine Weiterbildung oder ein effizienteres Arbeitsgerät, das mehr Umsatz in kürzerer Zeit ermöglicht, eine gute Investition sein – ein neuer Firmenwagen dagegen in der Regel nicht.

Bildung als Investition: Ich habe selbst die ungarische Version von BAföG genutzt, um studieren zu können, weil meine Eltern es nicht hätten finanzieren können. Das war für mich eine Investition, die sich gelohnt hat – ich verdiene mit meinem Abschluss heute deutlich mehr, als es ohne möglich gewesen wäre. Aber: Das war nicht automatisch garantiert. Ich kenne auch Menschen mit Studienkredit, die nie in ihrem studierten Fach gearbeitet haben, teils sogar in Jobs, für die man gar keinen Abschluss braucht – für sie hat sich diese „Investition“ im Nachhinein nicht ausgezahlt. Am Anfang weiß man eben nie sicher, ob eine Bildungsinvestition sich auszahlen wird – man kann nur bestmöglich einschätzen und dann hart dafür arbeiten, dass sie sich lohnt.

Wenn eine „gute“ Investition am Ende doch eine Verbindlichkeit bleibt

Meine Eltern haben einen Kredit aufgenommen, um ein Haus zu bauen. Der Kredit ist mittlerweile abbezahlt, und sie lieben es, dort zu leben. Trotzdem ist das Haus finanziell betrachtet keine Investition, sondern weiterhin eine Verbindlichkeit: Es liegt in einer Region, die zunehmend an Bedeutung verliert, keines der Kinder wird dort je einziehen, es muss laufend renoviert werden, und sein heutiger Marktwert liegt deutlich unter dem, was insgesamt hineininvestiert wurde. Trotzdem war es für unsere Familie etwas sehr Wertvolles – ich kann bis heute in meinem alten Kinderzimmer schlafen, und das große Haus bietet Platz für die ganze Familie, wenn wir zusammenkommen. Das zeigt: Nicht jede „gute“ Entscheidung lässt sich rein finanziell bewerten – aber man sollte sich trotzdem bewusst sein, was man da eigentlich finanziert: eine Investition oder eine (durchaus wertvolle) Verbindlichkeit.

Genau deshalb wollte ich selbst nie einen Kredit für eine eigene Immobilie zum Selbstbewohnen aufnehmen, obwohl meine Eltern mich lange dazu ermutigt haben. Ich sehe an ihrem Beispiel genau, wie viel Geld ein Eigenheim laufend kostet – Geld, das ich lieber anders einsetze. Eine Mietwohnung ist für mich völlig in Ordnung. (Meine ausführlichere Meinung dazu steht in „Mieten oder Kaufen? Meine unpopuläre Meinung“.)

Mein Fazit

Ich rate persönlich eher davon ab, Kredite aufzunehmen – aber es ist wichtig zu wissen, dass es auch gute Kredite gibt, gerade als Selbstständige: Investitionen in zukünftige Einnahmen können sich lohnen, wenn man dafür bereit ist, ein gewisses Risiko einzugehen und hart dafür zu arbeiten, dass sich die Investition tatsächlich auszahlt. Finanzielle Freiheit ist kein Zehntausend-Euro-Projekt – irgendwann führt für viele kein Weg daran vorbei, auch mit größeren Summen strategisch zu hantieren.


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Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt allgemeine, recherchierte Informationen sowie meine persönliche Erfahrung und Einschätzung, keine Anlageempfehlung. Die genannten Zinssätze entsprechen dem Stand 2026 und können sich ändern.

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