Einzelaktien-Grundlagen: Dividendenstrategie, Charttechnik und meine eigene Starbucks-Geschichte

Das ist eines meiner Lieblingsthemen – auch wenn ich hier ehrlich zugeben muss, dass ich selbst noch vergleichsweise wenig Erfahrung habe. Trotzdem möchte ich dir die Grundlagen und meine bisherigen, sehr persönlichen Erfahrungen mitgeben.

Was eine Aktie überhaupt ist

Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen – kaufst du eine Aktie, wirst du (Mit-)Eigentümerin dieses Unternehmens, im kleinen Maßstab. Der Kurs bildet sich aus Angebot und Nachfrage und hängt unter anderem von der Geschäftsentwicklung, den Zukunftsaussichten und der allgemeinen Marktstimmung ab. Anders als bei einem breit gestreuten ETF (→ „So wählst du auf justETF den richtigen ETF aus“) steckt dein Geld bei einer Einzelaktie komplett in einem einzigen Unternehmen – geht es diesem schlecht, trifft dich das ungefiltert.

Zwei grundlegend unterschiedliche Strategien

1. Dividendenstrategie (Buy & Hold)

Viele Unternehmen schütten einen Teil ihres Gewinns regelmäßig – meist vierteljährlich oder einmal jährlich – als Dividende an ihre Aktionär:innen aus. Die zentrale Kennzahl dafür ist die Dividendenrendite: Dividende je Aktie geteilt durch den aktuellen Aktienkurs, mal 100. Eine Dividendenrendite zwischen 2 und 6 % gilt allgemein als gesunder Bereich – deutlich höhere Werte können ein Warnsignal sein (eine sogenannte „Dividendenfalle“), oft weil der Aktienkurs stark gefallen ist oder das Unternehmen mehr ausschüttet, als es sich nachhaltig leisten kann.

Eine zweite wichtige Kennzahl ist die Ausschüttungsquote: Wie viel Prozent des Gewinns (oder freien Cashflows) tatsächlich als Dividende ausgezahlt werden. Liegt sie dauerhaft über 90 %, bleibt dem Unternehmen kaum Puffer – ein Risiko für zukünftige Kürzungen.

Besonders bekannt sind sogenannte Dividendenaristokraten: Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren ununterbrochen erhöht haben (Beispiele: Procter & Gamble, Johnson & Johnson, Coca-Cola) – Dividendenkönige schaffen das sogar seit 50 Jahren oder länger. Diese lange, ungebrochene Historie gilt als Zeichen für ein besonders robustes Geschäftsmodell, das auch Krisen übersteht.

Mein persönliches Ziel: Ich möchte mir langfristig ein kleines Portfolio aus verschiedenen Dividendenaktien aufbauen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr ausschütten – sodass ich idealerweise jeden Monat eine kleine Dividendenzahlung bekomme. Das Gefühl, jeden Monat zu sehen „das ist mein passives Einkommen, davon kaufe ich mir jetzt ein Eis“ oder „davon zahle ich einen Teil der Miete“, motiviert mich total. Ganz wichtig dabei: Wenn du auf Dividenden setzt, solltest du die Aktie grundsätzlich nicht verkaufen wollen – dein Kapital bleibt investiert, unabhängig davon, ob der Kurs steigt oder fällt, und du profitierst über die Jahre von den laufenden Ausschüttungen.

2. Aktives Trading mit Charttechnik

Die andere große Strategie: Aktien nicht wegen der Dividende, sondern wegen erwarteter Kursgewinne kaufen – und nach einer gewissen Zeit wieder verkaufen. Dafür lernt man, Kursverläufe zu lesen und sogenannte Kauf- und Verkaufssignale zu erkennen (Charttechnik bzw. technische Analyse) – etwa anhand von gleitenden Durchschnitten, Unterstützungs- und Widerstandslinien oder wiederkehrenden Chartmustern.

Meine Starbucks-Geschichte

Eine Zeit lang habe ich sehr häufig – zugegeben ungesund häufig – bei Starbucks Kaffee, Kuchen und Sandwiches gekauft. Irgendwann dachte ich: Wenn ich da schon so viel Geld ausgebe, will ich davon auch mal profitieren. Ende 2019 las ich einen Artikel, dass Starbucks in den chinesischen Markt vorstoßen wollte – dort ist Tee kulturell viel wichtiger als Kaffee, weshalb Starbucks eine eigene Tee-Konzeptreihe mit Filialen in China plante.

Ende Februar 2020 habe ich daraufhin ein einziges Stück Starbucks-Aktie gekauft – für rund 87 Euro, wie sich später herausstellte, ziemlich genau auf einem Allzeithoch. Kurz danach kam die Coronakrise, der Kurs brach ein, und die geplanten Tee-Filialen in China wurden nie eröffnet. Seitdem war der Kurs nur ein einziges Mal wieder kurz bei rund 90 Euro – ich bin seitdem durchgehend im Minus. Was ich aber bekomme: alle drei Monate eine kleine Dividende, meist zwischen 23 und 28 Cent.

Die Lektion daraus: Selbst wenn du eine nachvollziehbare, plausible Investmentthese hast (Starbucks + wachsender chinesischer Markt), kann sie aus Gründen scheitern, die niemand vorhersehen konnte (eine globale Pandemie). Und der Kaufzeitpunkt macht einen riesigen Unterschied – Einzelaktien kannst du eben nicht wie einen ETF-Sparplan automatisch über die Zeit verteilt kaufen und so das Risiko eines schlechten Einstiegszeitpunkts abfedern (→ mehr zum Cost-Average-Effekt im „ETF-Glossar“).

Investiere in Marken, die du kennst und nutzt

Meine bevorzugte Herangehensweise für die Dividendenstrategie: Ich schaue mir zuerst Unternehmen an, deren Produkte ich sowieso regelmäßig kaufe oder nutze – Kleidung, Lebensmittel, Elektronik, das Auto, das ich fahre. Der Gedanke dahinter: Wenn ich das Produkt schon aus Überzeugung kaufe, will ich auch als Unternehmen dahinterstehen können.

Genau deshalb schließe ich bestimmte Branchen für mich komplett aus – etwa Kosmetikfirmen mit Tierversuchen, die Pharmaindustrie in bestimmten Bereichen, große Lederproduzenten oder die Milchindustrie. Das würde ich schlicht nicht unterstützen wollen, unabhängig von der finanziellen Rendite (→ dazu passt auch mein Artikel „Nachhaltig investieren: ESG- und SRI-ETFs im Überblick“, auch wenn es dort um ETFs statt Einzelaktien geht).

Meine Erfahrung mit Charttechnik und Optionen

Parallel zu meiner Selbstständigkeit habe ich mich an Charttechnik und Optionsgeschäfte herangetastet – professionell gelernt bei der Geldhochschule von Philipp J. Müller (→ Affiliate-Link ergänzen). Dort habe ich gelernt, wie man Aktienkurse liest, Kauf- und Verkaufssignale erkennt und mit Optionen handelt. Das war tatsächlich mein Lieblingsthema – bis ich schwanger wurde und alles pausiert habe, um in dieser komplexen Materie nichts Voreiliges falsch zu machen.

Wichtig zu wissen, falls dich das auch reizt: Aktives Trading mit Charttechnik kostet vor allem eines – Zeit. Wenn du dein Geld einfach nur arbeiten lassen willst, ohne dich laufend damit zu beschäftigen, und höchstens einmal im Jahr an die Steuererklärung denken willst, ist diese Strategie nichts für dich – dann fährst du mit einem breiten ETF-Weltportfolio (→ „Langweilig, aber sicher investieren“) oder, wenn überhaupt Einzelaktien, dann im reinen Buy-and-Hold-Ansatz deutlich besser. Aktives Trading lohnt sich meiner Erfahrung nach nur, wenn du wirklich Lust und Zeit dafür hast.

Ich habe damals alle meine reinen Spekulationsaktien wieder verkauft – teils im Plus, teils im Minus, teils bei null – und pausiere das Thema aktuell komplett. Sobald ich wieder mehr zeitliche Kapazität habe, möchte ich unbedingt wieder einsteigen: Kursentwicklungen zu beobachten und Signale auszuwerten, hat mir wirklich enormen Spaß gemacht.

Ein paar grundlegende Kennzahlen zum Merken

  • Marktkapitalisierung: der Gesamtwert eines Unternehmens an der Börse (Aktienkurs × Anzahl aller Aktien) – ein grober Indikator für die Unternehmensgröße.
  • KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie. Grob gesagt: Wie viele Jahre bräuchte das Unternehmen bei gleichbleibendem Gewinn, um seinen eigenen Börsenwert zu „verdienen“. Ein niedriges KGV kann auf eine günstig bewertete Aktie hindeuten – oder auf berechtigte Zweifel am Unternehmen. Ein hohes KGV kann hohe Wachstumserwartungen widerspiegeln – oder eine Überbewertung.
  • Dividendenrendite und Ausschüttungsquote: siehe oben.

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Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt allgemeine Grundlagen sowie meine persönliche, noch begrenzte Erfahrung, keine Anlageempfehlung. Einzelaktien sind deutlich riskanter als breit gestreute ETFs – informiere dich gründlich, bevor du investierst.

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