Bevor du weiterliest: Falls dir Begriffe wie „thesaurierend“, „TER“ oder „Replikationsmethode“ nichts sagen, lies zuerst das „ETF-Glossar“ – hier baue ich direkt darauf auf.
Für die Suche nach dem passenden ETF nutze ich justETF – im deutschsprachigen Raum die mit Abstand gängigste und übersichtlichste Plattform dafür, mit allen wichtigen Kennzahlen an einem Ort.
Schritt 1: Die Filter richtig setzen
Auf justETF kannst du unter „ETF suchen“ zahlreiche Filter setzen. Für ein breit gestreutes Weltportfolio nach dem Ansatz von Gerd Kommer (→ „Langweilig, aber sicher investieren“) würde ich folgende Einstellungen empfehlen:
- Aktienregion: Welt, kein bestimmtes Land, kein Sektor, keine Aktienstrategie, kein Thema – damit landest du bei breit gestreuten Welt-ETFs wie MSCI World oder Emerging Markets, statt bei Nischenprodukten.
- Anleihen, Edelmetalle/Rohstoffe/Kryptowährungen, Immobilien: je nach gewünschter Anlageklasse, für ein reines Aktien-Weltportfolio hier nichts auswählen.
- Indexauswahl: würde ich offenlassen – lieber erst den passenden ETF anhand der anderen Kriterien finden und danach schauen, welchem Index er folgt, statt umgekehrt.
- Aktions-ETF: ich würde dieses Kriterium bewusst ignorieren. Ob ein ETF gerade bei einer bestimmten Bank kostenlos besparbar ist, ändert sich häufig – wichtiger ist eine niedrige TER, die dauerhaft bestehen bleibt.
- Sparplanpflicht: sinnvoll zu aktivieren, damit du nur ETFs siehst, die überhaupt als Sparplan verfügbar sind.
- Nachhaltigkeit: je nach persönlicher Präferenz (→ mehr dazu in „Nachhaltig investieren: ESG- und SRI-ETFs im Überblick“).
- Alter des ETFs: würde ich nicht als Kriterium nutzen. Aussagekräftiger sind Fondsgröße, Anzahl der enthaltenen Firmen und Replikationsmethode.
- Ausschüttung: abhängig von deiner Strategie – thesaurierend für die reine Wachstumsphase, ausschüttend, sobald du auf regelmäßige Auszahlungen angewiesen bist (→ Details im Glossar).
- Fondsgröße: mindestens 100 Millionen Euro.
- Replikationsmethode: vollständig physisch oder swap-basiert sind beide grundsätzlich in Ordnung – auf lange Sicht macht das für die meisten Privatanleger:innen keinen großen Unterschied.
- Anbieter: würde ich offenlassen und stattdessen nach den günstigsten Konditionen entscheiden.
- Indexfamilie: MSCI und FTSE sind die bekanntesten, aber auch andere seriöse Indexfamilien würde ich nicht grundsätzlich ausschließen.
- Fondsdomizil: Deutschland, Irland oder Luxemburg sind aus steuerlicher Sicht für deutsche Anleger:innen alle unproblematisch.
- Währungssicherung: würde ich ebenfalls offenlassen. Ob ein ETF in Euro oder US-Dollar geführt wird, macht auf lange Sicht kaum einen Unterschied – beide Währungen gleichen sich historisch betrachtet über die Zeit tendenziell aus, und aktuell gibt es keine Anzeichen für grundlegend andere Entwicklungen. Bevor du dir darüber zu viele Gedanken machst, würde ich dieses Kriterium eher vernachlässigen.
- Börsenplatz: in der Regel bereits sinnvoll vorausgewählt.
- ETF-Universum: passive, nicht gehebelte ETFs wählen, keine aktiv gemanagten ETFs (Unterschied siehe Glossar) und keine gehebelten Produkte, die überproportional auf Kursbewegungen reagieren und entsprechend riskanter sind.
Schritt 2: Ein konkretes Beispiel durchgehen
Als Beispiel schauen wir uns den iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) an, WKN A0RPWH – genau der ETF, den ich selbst seit 2019 bespare.
Basisdaten: TER 0,20 %, thesaurierend, physisch vollständig replizierend, Fondsgröße deutlich über 100 Millionen Euro, aufgelegt im September 2009.
Chart/Wertentwicklung: justETF zeigt dir hier verschiedene Zeiträume, von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. Wichtig: Die historische Wertentwicklung – egal ob über vier Wochen oder über fünf Jahre betrachtet – ist keine Garantie und keine verlässliche Aussage über die zukünftige Entwicklung. Nur weil ein ETF in den letzten Wochen gefallen ist, heißt das nicht, dass er ein schlechtes Investment ist – Kurzfristcharts sollten daher kein Auswahlkriterium sein.
Basisinfos: Hier findest du unter anderem das Anlagekonzept („Long only“ bedeutet: Der Fonds setzt ausschließlich auf steigende Kurse, keine Wetten auf fallende Kurse), die Nachhaltigkeitseinstufung, die Fondswährung (bei diesem Beispiel USD – wie im Glossar erklärt, sagt das nichts über die tatsächliche geografische Verteilung der enthaltenen Unternehmen aus) sowie die Volatilität (bei diesem ETF um die 10 % – weder extrem schwankungsanfällig noch besonders stabil, ein für einen breiten Aktien-ETF typischer Wert). Domizilland und Anbieter sind hier reine Zusatzinformationen, kein Ausschlusskriterium.
Zusammensetzung – der wichtigste Blick: Hier lohnt sich ein genauerer Blick, auch wenn es keine Ausschlusskriterien für mich persönlich sind:
- Top-Positionen: Bei diesem ETF machen die größten Einzelpositionen jeweils nur wenige Prozent aus (Apple, Nvidia, Microsoft, Amazon, Alphabet und Co. jeweils im niedrigen einstelligen Prozentbereich) – ein Hinweis auf eine solide Streuung, auch wenn Technologiewerte insgesamt stark vertreten sind.
- Länderverteilung: Bei vielen Welt-ETFs macht die USA rund 70 % aus. Das bedeutet aber nicht automatisch ein einseitiges Klumpenrisiko: Die meisten dieser Unternehmen erzielen ihre Umsätze weltweit, nicht nur in den USA – ein US-notiertes Unternehmen wie Apple oder Microsoft verkauft seine Produkte global. Der Firmensitz sagt also nicht alles über die tatsächliche wirtschaftliche Abhängigkeit von einem einzelnen Land aus. Trotzdem finde ich es wichtig, sich dieser Gewichtung bewusst zu sein, auch wenn es für mich persönlich kein Ausschlusskriterium ist.
- Sektorverteilung: Technologie ist aktuell meist der größte Sektor, gefolgt von Finanzen, Gesundheitswesen und weiteren – nachvollziehbar, weil aktuell besonders Technologieunternehmen (u. a. getrieben durch KI) stark wachsen.
Wie die Zusammensetzung eines Index entsteht: Ein Index wie der MSCI World wird in regelmäßigen Abständen (meist vierteljährlich) überprüft und neu zusammengestellt. Unternehmen, die die Kriterien (z. B. Marktkapitalisierung, Handelsvolumen) nicht mehr erfüllen, werden aus dem Index entfernt, neue, qualifizierte Unternehmen rücken nach. Dadurch bildet ein Welt-ETF automatisch immer die aktuell relevantesten Unternehmen der Weltwirtschaft ab, ohne dass du selbst aktiv etwas anpassen musst – ein zentraler Grund, warum sich Indizes wie der MSCI World langfristig tendenziell nach oben entwickeln: Absteigende Unternehmen fallen automatisch heraus, aufsteigende kommen automatisch hinzu.
Sparplanangebote vergleichen: Weiter unten auf der ETF-Seite zeigt justETF dir, bei welchen Brokern (z. B. Scalable Capital, Consorsbank, Sparkasse Broker, ING, Trade Republic, Flatex und weitere) der ETF sparplanfähig ist, inklusive eventueller Kosten. Mein Tipp: Wähle nicht die Bank danach aus, wo der Sparplan gerade kostenlos ist – das ändert sich häufig, wie ich selbst gerade erlebe. Wichtiger ist eine dauerhaft niedrige TER und eine zur eigenen Strategie passende Zusammensetzung. Ein Depotwechsel zu einem günstigeren Anbieter ist in der Regel unkompliziert und ohne nennenswerte Kosten möglich, selbst wenn aktuell eine kleine monatliche Gebühr anfällt.
Schritt 3: Das Infoblatt (KID) checken
Bevor du dich endgültig entscheidest, lohnt sich ein Blick ins offizielle Basisinformationsblatt (KID) des ETFs – dort findest du die Aufteilung nach Ländern und Branchen nochmal übersichtlich zusammengefasst. Nicht, um dich davon abschrecken zu lassen, sondern damit du bewusst weißt, worin du investierst.
Mein Fazit
Investiere nicht in etwas, das du überhaupt nicht verstehst – aber lass dich auch nicht davon abhalten, weil du nicht jedes einzelne Detail zu hundert Prozent durchdrungen hast. Die wichtigsten Kriterien für ein solides, breit gestreutes Weltportfolio sind: niedrige TER, ausreichende Fondsgröße, eine zu deiner Strategie passende Ausschüttungsart, eine breite Streuung über viele Unternehmen – und die Bereitschaft, dich nicht von kurzfristigen Kursschwankungen verunsichern zu lassen.
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Vorgehensweise, keine Anlageempfehlung.
NOTIZ FÜR KATALIN – vor Veröffentlichung entfernen
Screenshots fehlen noch: Du wolltest hier Screenshots von justETF ergänzen – sinnvoll wären mindestens die Filtermaske (Schritt 1) und die ETF-Detailseite mit Basisdaten und Zusammensetzung (Schritt 2). Der Hinweis „(Screenshots folgen.)“ im Einleitungsabsatz kann dann raus.
