Der Begriff wird inflationär benutzt – aber was bedeutet finanzielle Freiheit eigentlich konkret? Und warum ist die Zahl, die am Ende dabei herauskommt, für die meisten von uns ein ziemlicher Schock?
Die offizielle Einordnung: drei Stufen
Bodo Schäfer, einer der bekanntesten Money-Coaches im deutschsprachigen Raum und Autor von „Der Weg zur finanziellen Freiheit“, unterscheidet drei aufeinander aufbauende Stufen:
- Finanzieller Schutz: ein Notgroschen, der dich 4 bis 6 Monate ohne Arbeitseinkommen über Wasser hält – für Jobverlust, berufliche Neuorientierung oder Krankheit.
- Finanzielle Sicherheit: deine laufenden, grundlegenden Lebenshaltungskosten sind dauerhaft durch Kapitalerträge gedeckt, unabhängig davon, ob du noch arbeitest.
- Finanzielle Freiheit: deine Kapitalerträge reichen aus, um dir den Lebensstil zu finanzieren, den du dir wünschst – ohne dass du je dein eigentliches Kapital angreifen musst.
Das Entscheidende an dieser Definition: Finanzielle Freiheit ist keine bestimmte Summe, die du auf dem Konto ansammelst. Es ist der Punkt, an dem eine bestimmte Summe für dich arbeitet – so gut, dass du selbst nicht mehr arbeiten musst, um deine Kosten zu decken. Und genau darum geht es auch bei diesem Blog.
Aktives vs. passives Einkommen – und warum das den Unterschied macht
Wenn du nach Stunden bezahlt wirst oder als Selbstständige deine Zeit gegen Geld tauschst, ist dein Einkommen aktiv – und damit zwangsläufig gedeckelt. Der Tag hat nur 24 Stunden, egal wie sehr du deine Stundensätze erhöhst oder wie effizient du arbeitest. Genau das ist das „Hamsterrad“: Du tauschst Zeit gegen Geld, unabhängig davon, ob du angestellt oder selbstständig bist.
Passives Einkommen dagegen entsteht, ohne dass du aktiv dafür arbeitest – etwa Kapitalerträge aus Investments, Mieteinnahmen oder andere Einnahmequellen, die nicht direkt an deine Arbeitszeit gekoppelt sind. Der Weg zur finanziellen Freiheit führt über genau diese Verschiebung: weg von „Zeit gegen Geld“, hin zu Einkommen, das unabhängig von deiner eigenen Arbeitszeit entsteht.
Meine eigene Rechnung – und der Schock dahinter
Ich habe für mich durchgerechnet, wie viel Kapital ich bräuchte, um bei einer soliden durchschnittlichen jährlichen Rendite von etwa 7 % ausschließlich aus den Kapitalerträgen 5.000 Euro netto im Monat zur Verfügung zu haben. Das Ergebnis: 2.750.000 Euro. Eine wirklich krasse Summe.
Es gibt dazu grobe Faustformeln, die im Netz kursieren – etwa: das gewünschte monatliche Nettoeinkommen mit rund dem Faktor 150 multiplizieren, um das benötigte Kapital zu erhalten (bei 5.000 Euro monatlich wären das etwa 750.000 Euro). Solche Faustformeln unterscheiden sich aber stark, je nachdem, welche jährliche Rendite, welche Inflation und welche Steuerlast (in Deutschland z. B. die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge) zugrunde gelegt werden – deshalb weichen sie teils deutlich voneinander ab, und meine eigene, konservativere Rechnung kommt auf eine höhere Summe. Bodo Schäfer selbst bietet auf seiner Website übrigens einen eigenen Rechner zur finanziellen Freiheit an, den ich hier gerne verlinke (→ Link). Notiz für mich: Meine genaue Berechnung, inklusive der Annahmen zu Rendite, Inflation und Steuern, ergänze ich hier noch, damit Leser:innen sie direkt nachvollziehen und für sich selbst anwenden können – mit klarer Quellenangabe, dass die Grundberechnung von Bodo Schäfer stammt.
Als ich diese Zahl das erste Mal vor mir hatte, war das ein ziemlicher Schock. Ich habe überlegt, wie ich das als Angestellte jemals erreichen sollte – und die ehrliche Antwort war: gar nicht. Genau das war der Moment, in dem ich angefangen habe, mich viel tiefer mit Investitionen zu beschäftigen, und mich schließlich selbstständig gemacht habe – mit dem Gedanken, dass ich als Selbstständige eine höhere Wahrscheinlichkeit habe, genug zu verdienen und anzusparen, um dieses Ziel überhaupt realistisch zu erreichen.
Warum ich trotzdem an mein sportliches Ziel glaube
Mein Ziel: finanzielle Freiheit bis zu meinem 40. Geburtstag. Nach aktuellem Stand meiner Berechnung sieht es überhaupt nicht danach aus, dass ich das schaffe. Trotzdem gebe ich das Ziel nicht auf – aus einem bestimmten Grund.
Wenn du dir ein Ziel setzt, das größer ist als das, was realistisch erscheint, erreichst du es vielleicht nicht exakt. Aber solange du es wirklich willst, fängt dein Gehirn an, automatisch nach Lösungen zu suchen – nach Wegen, an die du nie gedacht hättest, wenn du dich nur in deiner Komfortzone bewegt und dir ausschließlich realistische Ziele gesetzt hättest. Bleibst du dagegen in deiner Komfortzone, erreichst du vermutlich genau das, was du dir vorgenommen hast – vielleicht ein bisschen mehr, aber eben nicht mehr als das.
Deshalb glaube ich weiterhin daran, dass ich es bis 40 schaffen kann. Und selbst wenn nicht: Ich werde verdammt nah dran sein – und ich bin überzeugt, dass ich selbst überrascht sein werde, wie nah.
Ein realistischerer Einstieg, wenn die Zielsumme dich erschlägt
Wenn eine Zahl wie 2,75 Millionen Euro einschüchternd wirkt – das tut sie zurecht – hilft es, kleiner anzufangen. Statt gleich den kompletten Lebensstil aus passivem Einkommen zu finanzieren, kannst du dir ein viel kleineres Etappenziel setzen: zum Beispiel nur einen einzelnen fixen Kostenpunkt, etwa deine Miete, komplett aus Kapitalerträgen oder anderen nicht-aktiven Einkommensquellen zu decken.
Das ist übrigens genau mein erstes konkretes Etappenziel: so viel aus passivem Einkommen zu erwirtschaften, dass ich meine Miete davon stemmen kann. Alles, was ich darüber hinaus mit meiner eigentlichen Arbeit verdiene, geht dann in die restlichen Kosten – aber für die Miete muss ich nicht mehr aktiv arbeiten. Klein anfangen, Schritt für Schritt erweitern – das macht die riesige Gesamtsumme greifbarer.
Verlinkung: [Hinweis für dich, Katalin – deine Sprachnachricht endete hier mit „Porsche oder Ganz“, das war vermutlich abgeschnitten oder ein Verhörer. Magst du mir sagen, welchen Artikel oder welche Seite du hier noch verlinken wolltest?]
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Berechnung, keine Anlageempfehlung. Die genannte Berechnungsmethode basiert auf öffentlich zugänglichen Konzepten von Bodo Schäfer.
