Warum du eine Gehaltserhöhung kaum spürst – und wie du das änderst
(Titel-Ideen zur Auswahl, falls „Das Einnahmen-Ausgaben-Fiasko“ nicht das letzte Wort ist: „Die Gehaltserhöhungs-Falle“, „Warum du trotz mehr Gehalt nie mehr übrig hast“, „Lifestyle-Inflation: Der leise Dieb deiner Gehaltserhöhung“)
Kennst du das? Du bekommst eine Gehaltserhöhung, eine Beförderung, einen besseren Job – und schon nach ein, zwei Monaten hast du das Gefühl, als hätte sich finanziell überhaupt nichts verändert. Am Ende des Monats bleibt trotzdem nichts übrig. Dafür gibt es einen Namen, und ich habe ihn am eigenen Leib mehrfach erlebt: das Einnahmen-Ausgaben-Fiasko, gemeinhin auch Lifestyle-Inflation genannt.
Wie es passiert
Wenn du wenig verdienst, hast du automatisch niedrige Kosten – du musst stark sparen, hast keine andere Wahl. Dann kommt der bessere Job, die Gehaltserhöhung, die Beförderung. Im ersten Monat freust du dich richtig und gönnst dir bewusst etwas. Ab dem zweiten Monat ist genau dieses „sich etwas gönnen“ plötzlich Standard – ohne dass du eine bewusste Entscheidung dafür getroffen hättest. Die Kosten steigen leise mit, unbemerkt, während sich dein neues Gehalt längst wie das „normale“ Gehalt anfühlt. Am Ende bleibt wieder nichts übrig – und du wartest auf die nächste Gehaltserhöhung, um endlich mal wieder Luft zu haben. Der Kreislauf beginnt von vorn.
Meine eigene Erfahrung: Neun Jobwechsel in fünf Jahren
Ich kann das aus erster Hand bestätigen. In meinen ersten fünf Jahren in Deutschland habe ich neunmal den Job gewechselt – abwechslungsreich war es auf jeden Fall, mal habe ich mehr verdient, mal wieder weniger.
Und genau dieser Wechsel zurück zu weniger Gehalt war jedes Mal schmerzhaft. Nicht, weil ich objektiv wenig hatte, sondern weil ich feststellen musste, dass sich meine Kosten in der Zwischenzeit erhöht hatten, ohne dass es mir aufgefallen war. Ich musste mich wieder einschränken, wieder auf Dinge verzichten, an die ich mich längst gewöhnt hatte. Das hat sich jedes Mal aufs Neue arm angefühlt – obwohl es eigentlich nur eine Rückkehr zu einem früheren, mir eigentlich vertrauten Niveau war.
Die 50/50-Regel: So lässt du dich nicht von deiner eigenen Gehaltserhöhung überraschen
Der Trick liegt im Timing. Sobald du merkst, dass du netto mehr zur Verfügung hast – ob durch Gehaltserhöhung, Jobwechsel oder eine günstigere Steuerklasse – solltest du handeln, bevor du dich an das höhere Einkommen gewöhnt hast. Und zwar so:
- Die eine Hälfte der Mehreinnahmen darf für eine bewusste Erhöhung deines Lebensstandards genutzt werden. Du sollst ja auch etwas von deiner Leistung haben – das ist ausdrücklich erlaubt und sogar wichtig.
- Die andere Hälfte wird sofort gespart bzw. investiert – am besten automatisch, nach dem gleichen Prinzip wie in „Bezahl dich zuerst“ (→ Link).
So genießt du die Verbesserung wirklich bewusst, statt dass sie sich unbemerkt in höhere Fixkosten auflöst – und gleichzeitig bringt dich jede Gehaltserhöhung tatsächlich ein Stück näher an deine finanzielle Freiheit, statt nur dein Ausgabenniveau zu verschieben.
Mehr zum Thema: – Wie du grundsätzlich unterschiedlich sparst, je nachdem wo du finanziell gerade stehst → „Sparen ist nicht gleich Sparen“ – Was mit dem gesparten Teil langfristig passieren kann und warum sich das über die Jahre richtig lohnt → Artikel zum Zinseszinseffekt (folgt)
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Vorgehensweise beim Vermögensaufbau, keine Anlageempfehlung.
