Das hier ist eine ganz frische Beobachtung aus meiner eigenen Mindset-Journey – nicht wissenschaftlich belegt, sondern meine persönliche Erfahrung. Aber ich glaube, ich bin damit nicht allein.
Die Beobachtung
Ich bin so aufgewachsen, dass wir als Kinder nie wirklich Mangel gespürt haben – wir hatten immer Essen, Kleidung, alles Nötige. Trotzdem erinnere ich mich sehr genau daran, dass meine Mama oft geweint oder sich Sorgen gemacht hat, weil das Geld knapp war. In meiner Familie wurde – bis heute – sehr negativ über Geld gesprochen.
Und ich glaube, genau dieser gefühlte Zustand hat sich in mein Erwachsenenleben übertragen: Ich kann mir eigentlich alles leisten, was ich brauche. Trotzdem bewege ich mich gefühlt ständig an einer Grenze – kann ich mir das leisten oder nicht. Und immer wieder, wenn ich anfange, eine etwas größere Summe anzusparen, passiert etwas scheinbar Zufälliges, das genau diese Summe wieder auffrisst:
- Einmal kamen eine Steuerrückzahlung und eine Steuernachzahlung gleichzeitig.
- Wir haben geheiratet – die Kosten waren zwar eingeplant, aber trotzdem ein größerer Abfluss.
- Nach der Hochzeit habe ich die Steuerklasse gewechselt und bin dadurch – weil ich damals deutlich weniger verdient habe als mein Mann – in der ungünstigeren Steuerklasse gelandet. Plötzlich musste ich nicht nur nichts zurückbekommen, sondern draufzahlen.
- Trotz sorgfältiger Recherche habe ich es verpasst, rechtzeitig freiwillig in die Krankenversicherung mit Krankengeldanspruch einzuzahlen – und bekam dadurch kein Mutterschaftsgeld, obwohl ich fest damit gerechnet hatte.
Immer wieder tauchen scheinbar zufällige, von außen kommende Situationen auf, die genau das auffressen, was ich mir gerade erst angespart hatte. Und jedes Mal, wenn das passiert, mache ich mir noch mehr Sorgen ums Geld – was den Mangel-Gedanken nur weiter verstärkt.
Meine Interpretation
Ich glaube, unser Gehirn zieht uns immer wieder zurück zu dem finanziellen Zustand, den wir aus unserer Kindheit als „normal“ kennen. Wer in einer Familie aufgewachsen ist, in der Geld nie ein Thema war, stellt unbewusst genau diesen Zustand auch als Erwachsene wieder her – für die ist Wohlstand der bekannte, „sichere“ Zustand. Wer wie ich mit gefühltem Mangel aufgewachsen ist, driftet dagegen immer wieder zurück zu „knapp bei Kasse“, selbst wenn objektiv genug Geld da wäre. (Dieses Konzept eines „inneren Geld-Thermostats“ taucht übrigens auch in der populären Finanzpsychologie-Literatur auf, unter anderem bei T. Harv Eker – wissenschaftlich sauber belegt ist es meines Wissens nicht, aber die Beschreibung deckt sich sehr genau mit meiner eigenen Erfahrung.)
Wichtig ist mir dabei: Das soll kein Vorwurf an mich selbst oder eine Ausrede sein. Es ist einfach eine Beobachtung, die mir geholfen hat, anders mit dem Thema umzugehen.
Mein Trick, ohne große Mindset-Arbeit
Als junge Mama fehlt mir aktuell schlicht die Kapazität für tiefgehende Mindset-Arbeit oder Therapie zu diesem Thema. Also habe ich mir stattdessen einen ganz praktischen Trick gebaut, um mein Gehirn quasi auszutricksen:
Ich trenne mein Depot (ETFs) gedanklich komplett von meinem liquiden Vermögen. Das Depot zählt zwar zu meinem Gesamtvermögen dazu, aber nicht zu dem Geld, über das ich im Alltag „verfüge“ – ich will die ETFs ja ohnehin nicht verkaufen, sondern für die nächsten 30 Jahre bis zur Rente investiert lassen. Sobald ich merke, dass sich auf meinem Giro- oder Tagesgeldkonto etwas mehr ansammelt, als ich für meinen Notgroschen brauche, erhöhe ich für diesen einen Monat einfach meinen ETF-Sparplan um genau diesen Extra-Betrag – und das Geld ist sofort „weg“ aus meinem sichtbaren, liquiden Bereich.
So verhindere ich, dass mein Gehirn eine Situation „kreiert“, in der genau dieses überschüssige Geld wieder ausgegeben werden muss. Mein Gesamtvermögen wächst dadurch munter weiter – während mein Gehirn zufrieden bleibt, weil mein sichtbares, liquides Geld sich weiterhin im „bekannten“, eher knappen Bereich bewegt.
Was das nicht bedeutet
Das heißt nicht, dass du gar keine Rücklage brauchst – ich halte weiterhin bewusst 3 Nettomonatsgehälter (bzw. als Selbstständige: 3 Monate meiner kompletten Fixkosten und variablen Kosten, die ich dank meines Haushaltsbuchs genau kenne) auf dem Tagesgeldkonto. Genau dieser Puffer ist zum Beispiel jetzt im August genutzt worden, wo wir krank waren und ich wegen Kita-Schließzeiten weniger arbeiten konnte. Das ist kein Rückschlag, sondern genau der Zweck dieser Rücklage.
Für dich, falls du dich wiedererkennst
Falls du das Gefühl hast, dass trotz harter Arbeit, richtigem Sparen und bewusstem Umgang mit Geld immer wieder scheinbar unbeeinflussbare, zufällige Ausgaben auftauchen, die genau das auffressen, was du dir gerade erarbeitet hast: Ich sehe dich, ich kenne das Gefühl. Du bist damit sicher nicht allein. Und vielleicht hilft dir derselbe kleine Trick: Lass überschüssiges Geld nicht lange sichtbar auf deinem Girokonto liegen – schieb es zügig dorthin, wo es für dich arbeitet, statt darauf zu warten, dass „das Leben“ eine Verwendung dafür findet.
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Hinweis: Diese Beobachtung ist meine persönliche Erfahrung und nicht wissenschaftlich belegt. Ich bin außerdem keine Finanz- oder Anlageberaterin – dieser Artikel ersetzt keine professionelle finanzielle oder psychologische Beratung.
