Der spannendste Investment-Ansatz, den ich kenne, ist gleichzeitig der langweiligste: einfach in den gesamten Weltmarkt investieren, nichts weiter tun – und warten. Genau darum geht es beim sogenannten Weltportfolio-Ansatz, den der deutsche Finanzwissenschaftler Gerd Kommer in seinen Büchern beschreibt.
Worum es beim Weltportfolio geht
Die Grundidee: Statt zu versuchen, einzelne Aktien oder Branchen auszuwählen, die den Markt schlagen sollen, investierst du einfach breit gestreut in den gesamten Aktienmarkt – über alle Länder, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Umgesetzt wird das über passive Indexfonds (ETFs), die einen möglichst breiten Index abbilden, statt aktiv gemanagt zu werden.
Der Gedanke dahinter: Der weltweite Aktienmarkt hat sich langfristig, trotz aller Krisen – Finanzkrise, Coronakrise, geopolitische Spannungen – immer weiterentwickelt und ist über lange Zeiträume betrachtet immer wieder gestiegen. Statt zu versuchen, den Markt zu schlagen (was aktiv gemanagten Fonds langfristig nachweislich nur selten gelingt), lässt du dich einfach an dieser grundsätzlichen Aufwärtsentwicklung teilhaben.
Wie so ein Weltportfolio konkret aufgebaut ist
Es gibt im Kern zwei Herangehensweisen:
- Ein einziger, sehr breiter ETF, der praktisch den gesamten Weltmarkt abbildet – zum Beispiel einen All-Country-World-Index, der sowohl entwickelte Märkte als auch Schwellenländer (Emerging Markets) in einem einzigen Produkt zusammenfasst, gewichtet nach Marktkapitalisierung.
- Zwei separate ETFs, einer für entwickelte Märkte (z. B. MSCI World) und einer für Schwellenländer (z. B. MSCI Emerging Markets), die du selbst in einem festen Verhältnis kombinierst. Das gibt dir mehr Kontrolle über die Gewichtung – du kannst z. B. bewusst einen höheren oder niedrigeren Anteil an Emerging Markets wählen, als es die reine Marktkapitalisierung vorgeben würde.
Warum Schwellenländer volatiler sind
Emerging-Markets-Aktien schwanken in der Regel stärker als die entwickelter Märkte. Ein wichtiger Grund dafür: In vielen Schwellenländern hat der Staat einen deutlich größeren Einfluss auf Wirtschaft und Unternehmen, was zusätzliche politische und regulatorische Risiken mit sich bringt – ein prominentes Beispiel sind chinesische Staatsunternehmen. Russische Aktien waren früher ebenfalls Teil gängiger Emerging-Markets-Indizes, wurden aber nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 im Zuge der internationalen Sanktionen aus den großen Indizes wie dem MSCI Emerging Markets entfernt – sie spielen seitdem in modernen Welt-ETFs praktisch keine Rolle mehr.
Der Cost-Average-Effekt: Warum Markttiming unnötig ist
Ein zentraler Vorteil von ETF-Sparplänen: Du zahlst jeden Monat automatisch denselben Betrag ein, unabhängig vom aktuellen Kurs. Das nennt sich Cost-Average-Effekt (zeitliche Diversifikation). Der Vorteil: Du musst nicht versuchen, den perfekten Einstiegszeitpunkt (niedrigster Kurs) oder Ausstiegszeitpunkt (höchster Kurs) zu treffen – etwas, das nachweislich selbst Profis kaum zuverlässig gelingt. Stattdessen kaufst du bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen automatisch weniger – über die Zeit gleicht sich das aus.
ETF vs. Einzelaktien: nicht alle Eier in einen Korb
Wenn du in eine einzelne Aktie investierst, hängt dein gesamtes eingesetztes Geld am Schicksal eines einzigen Unternehmens – geht es diesem schlecht, kann dein Investment stark an Wert verlieren oder im Extremfall komplett wertlos werden. Ein breit gestreuter ETF verteilt dein Geld dagegen automatisch auf hunderte oder tausende Unternehmen gleichzeitig. Geht es einer Branche, einem Land oder einem einzelnen Unternehmen schlecht, wird das von der Entwicklung der anderen meist mehr als ausgeglichen. Genau das meint man mit Diversifikation – und genau deshalb gilt ein breiter Welt-ETF als vergleichsweise sicheres, wenn auch nicht risikofreies Investment.
Warum ETF-Sparpläne so zugänglich sind
- Niedrige Kosten: Ein monatlicher Sparplan ist bei den meisten Brokern kostenlos oder sehr günstig – deutlich billiger, als würdest du jeden Monat einzeln Wertpapiere kaufen.
- Kein Entscheidungsdruck: Die Rate wird automatisch abgebucht (idealerweise direkt zu Monatsbeginn), du musst nicht jeden Monat neu entscheiden, ob und wie viel du einzahlst.
- Sehr geringer Einstiegsbetrag möglich: Viele Sparpläne starten schon ab wenigen Euro im Monat.
- Flexibilität: Bei Bedarf kannst du jederzeit verkaufen – Verkaufskosten fallen zwar an, aber du bist nicht wie bei manchen anderen Anlageformen langfristig gebunden.
Aber: kein kurzfristiges Investment
Diese Strategie lohnt sich erst über einen langen Zeitraum – als Richtwert gelten mindestens 10 Jahre. Kurzfristige Marktschwankungen können in dieser Zeit erheblich sein; erst über viele Jahre hinweg gleicht sich das statistisch zugunsten der langfristigen Aufwärtsentwicklung des Marktes aus. Genau deshalb eignet sich ein Weltportfolio besonders gut als Altersvorsorge – und genau so nutze ich es auch selbst.
Meine persönliche Erfahrung mit Gerd Kommers Buch
Ich habe Gerd Kommers Buch über Natascha Wegelin (Madame Moneypenny) entdeckt. Ich muss ehrlich sagen: Es war kein leichtes Lesevergnügen – sehr trocken, sehr sachlich. Da ich aus dem Studium aber an solche Texte gewöhnt war, kam ich gut damit zurecht und fand es inhaltlich wirklich aufschlussreich. Ich glaube an das, was Gerd Kommer beschreibt, und richte mein eigenes Investment-Vorgehen konsequent danach aus.
Neu ab 2027: das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot
Ein Grund mehr, sich jetzt schon mit dem Thema zu beschäftigen: Ab dem 1. Januar 2027 löst das neue Altersvorsorgedepot die bisherige Riester-Rente ab. Es handelt sich um ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in das du direkt in ETFs, Fonds oder Anleihen investieren kannst – voraussichtlich unter anderem in breit gestreute Welt-ETFs, ganz im Sinne des hier beschriebenen Ansatzes.
Die staatliche Förderung ist gestaffelt:
- Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es eine Zulage von 50 % (maximal 180 Euro)
- Auf weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es zusätzlich 25 % (maximal weitere 360 Euro)
- Macht in Summe bis zu 540 Euro staatliche Förderung pro Jahr, wenn du den vollen förderfähigen Betrag ausschöpfst
Dazu kommen unter Umständen weitere Zulagen, etwa für Kinder oder Geringverdiener. Es lohnt sich, sich schon jetzt darüber zu informieren, damit du zum Start bereit bist. Die offiziellen und aktuellsten Informationen findest du beim Bundesministerium der Finanzen:
→ Reform der privaten Altersvorsorge – FAQ des Bundesfinanzministeriums
Meine eigene Wertentwicklung (wird noch ergänzt)
Seit Februar 2019 zahle ich monatlich in mein eigenes Weltportfolio ein – aufgeteilt in 75 % MSCI World und 25 % Emerging Markets, mit monatlichen Raten zwischen 25 und 500 Euro. Die Gewichtung hat sich seitdem durch die unterschiedliche Wertentwicklung beider ETFs etwas verschoben – das lässt sich entweder durch gezieltes Nachkaufen des unterrepräsentierten ETFs oder durch eine angepasste monatliche Sparrate wieder ausgleichen (Rebalancing).

Tabellen-Vorlage – bitte mit deinen Daten befüllen:
| Monat/Jahr | Einzahlung MSCI World | Einzahlung Emerging Markets | Einzahlung gesamt | Depotwert gesamt | Ist-Gewichtung World/EM |
|---|---|---|---|---|---|
| Feb 2019 | |||||
| … | |||||
| Aktuell |
Sobald du mir die Zahlen gibst, baue ich daraus eine Grafik mit der Wertentwicklung über die Zeit.

Mehr zum Thema: Das Buch von Gerd Kommer zum ETF-Investieren habe ich bereits in „Meine Risikobereitschaft“ verlinkt.
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Vorgehensweise beim Vermögensaufbau, keine Anlageempfehlung. Angaben zum Altersvorsorgedepot basieren auf dem Gesetzgebungsstand von August 2026 und können sich bis zum Start 2027 noch ändern – bitte vor Veröffentlichung auf Aktualität prüfen.
