Von McDonald’s bis zur Selbstständigkeit – was sich wirklich gelohnt hat
Ich habe in Deutschland eine ganze Reihe von Jobs, Nebenjobs und Einkommensquellen durch – vom Fließband bis zur Trainee-Stelle bei meiner Wunschagentur. Hier bewerte ich sie chronologisch nach Aufwand und Bezahlung: Was hat sich gelohnt, was war reine Zeitverschwendung?
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Hinweis für mich: Bei einigen Stundenlöhnen und Nettogehältern muss ich die genauen Zahlen noch einmal nachschauen und hier präzisieren.
1. McDonald’s – mein erster Job in Deutschland (Baden-Württemberg)
Bewertung: großes Minus – viel Aufwand, wenig Geld, keine Anerkennung
Der Einstieg war hart. Ich musste teilweise über zehn Tage am Stück arbeiten, ohne einen einzigen freien Tag – meine Stechkarte wurde einfach ausgecheckt, während ich weiterarbeiten musste. Der Chef war wirklich unangenehm, und die ganze Situation war klar auf Ausnutzung angelegt. Einmal wären es sogar 15 bis 16 Tage am Stück geworden. Nach dem 14. Tag war ich so erschöpft, dass ich auf dem Heimweg mit dem Fahrrad eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen habe – ich bin gestürzt und habe mir die Hand gebrochen.
Ich war danach lange krankgeschrieben und habe schließlich gekündigt – die Bedingungen waren einfach nicht tragbar. Mein letztes Gehalt habe ich nie ausgezahlt bekommen. Der Stundenlohn lag bei maximal 12 Euro, wahrscheinlich eher darunter, vielleicht bei 8 bis 9 Euro (genaue Zahl folgt noch).
2. Pharmaindustrie – Fließbandarbeit in München
Bewertung: deutliches Plus – gute Bezahlung, gute Bedingungen
Ein klarer Kontrast zu McDonald’s. Ich habe in einer Fabrik im Schichtsystem gearbeitet (drei Schichten), mit richtig guten Wochenend- und Nachtzuschlägen. Die Kolleg:innen und Vorgesetzten waren großartig, und die Arbeitszeiten waren – trotz Schichtdienst – gut planbar. Das hat es mir sogar ermöglicht, nebenbei noch einen weiteren Job zu machen. Insgesamt hatte ich hier einen befristeten Einjahresvertrag.
3. Nebenjob parallel dazu: Aushilfe in der Mode bei Galeria Kaufhof (Marienplatz)
Bewertung: eher Minus – schlechte Bezahlung, wenig Substanz
Über eine Vermittlerfirma habe ich als Aushilfe in der Damenmode gearbeitet. Die Bezahlung war, wie in der Modebranche im Verkauf üblich, sehr niedrig. Die Arbeit war ehrlich gesagt ziemlich langweilig – ich glaube, dort habe ich die meisten Gehirnzellen verloren.
4. Vollzeit in der Mode, jetzt in der Kasse
Bewertung: leicht besser, aber immer noch niedrig
Nach Ablauf meines Pharmaindustrie-Vertrags habe ich in Vollzeit in der Modebranche weitergearbeitet – unter anderem an der Kasse statt nur beim Aufräumen, was etwas besser bezahlt war und mehr Spaß gemacht hat. Trotzdem: Modebranche bleibt Modebranche, das Gehalt war weiterhin niedrig. Das war genau die Phase, in der ich 700 Euro netto verdient und 500 Euro Miete gezahlt habe.
5. Nebenjobs während dieser Zeit
Online-Umfragen – Bewertung: klares Minus. Extrem zeitaufwendig für Cent-Beträge oder 10-Euro-Amazon-Gutscheine, die ich teilweise nicht einmal einlösen konnte. Aufwand und Ertrag standen in keinem vernünftigen Verhältnis.
Produkttester – Bewertung: seltener Glücksgriff. Einmalig eine Stunde Aufwand für 50 Euro – ein wirklich gutes Deal. Das Problem: Man muss für die jeweilige Ausschreibung genau ins Profil passen, meist speziell auf eine bestimmte Branche oder Tätigkeit zugeschnitten. Die meiste Zeit ist man einfach nicht qualifiziert, und allein die Suche nach passenden Ausschreibungen kostet Zeit.
Hostess auf Messen und Konferenzen – Bewertung: durchwachsen, mit Vorsicht empfohlen. Harte körperliche Arbeit – den ganzen Tag auf den Beinen – aber inhaltlich teilweise wirklich interessant, etwa bei einer IT-Konferenz 2014. Das Format bindet dich aber für mehrere Stunden, teilweise 10 bis 12 Stunden am Stück, vor Ort – funktioniert realistisch nur in größeren Städten mit entsprechendem Angebot. Wer diesen Weg geht: Je besser bezahlt der Job, desto schwieriger ist es meist, überhaupt reinzukommen.
6. Party-Fotografin
Bewertung: eher Minus – lohnt sich nur, wenn der Nebeneffekt stimmt
2014/2015 habe ich in München als Party-Fotografin gearbeitet – wobei es mir dabei weniger ums Geld ging. Der eigentliche Antrieb war, dass ich feiern gehen wollte, mir aber Eintritt und ein, zwei Getränke sparen konnte, wenn ich gleichzeitig fotografiert habe. Eine Profikamera war keine Voraussetzung, die Firma hat mir immer eine gestellt.
Der Haken: Die Fotos mussten bis 8 Uhr morgens des Folgetages aussortiert, teilweise bearbeitet und hochgeladen sein – nach einer durchfeierten Nacht ziemlich anstrengend. Irgendwann hat es mir keinen Spaß mehr gemacht. Rein wegen des Geldes würde ich das nicht empfehlen – es hat sich nur gelohnt, weil der eigentliche Zweck (feiern, ohne viel auszugeben) für mich gepasst hat. Ob es dieses Modell heute überhaupt noch gibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
7. Ausmisten und Verkaufen über Kleinanzeigen
Bewertung: am Anfang ein deutliches Plus, danach schnell abnehmender Ertrag
Alles verkaufen, was man nicht mehr braucht, bringt vor allem am Anfang richtig viel: In meinem ersten Monat habe ich rund 2.000 Euro gemacht (alter Rechner, Laptop, Soundsystem, Mixer, Stehlampe und mehr), im zweiten Monat noch 600 Euro. Seitdem sind es höchstens 20 Euro, meistens eher 1 Euro – die wertvollen Sachen gehen zuerst weg, danach bleibt nur noch Kleinkram übrig, der sich kaum noch lohnt und oft ewig nicht verkauft wird.
Der Zeitaufwand steht dann auch nicht mehr im Verhältnis zum Ertrag: Leute melden sich, kommen dann doch nicht, oder stellen endlose Rückfragen. Trotzdem mache ich es weiter – nicht nur wegen des Geldes, sondern auch, um Müll zu vermeiden. Was für mich nur noch Ballast ist, ist für jemand anderen oft ein echter Schatz. Nicht selten sind Käufer:innen richtig dankbar und erzählen, wie lange sie genau danach gesucht haben – das gibt einem auch ein richtig gutes Gefühl, unabhängig vom Preis.
8. Flughafen – hoch bezahlt, aber ausgebrannt
Bewertung: finanziell stark, menschlich teuer
Außertariflich bezahlt aufgrund einer verantwortungsvollen Position – mein erster Job mit einem Nettogehalt im Bereich von 1.800 bis 2.500 Euro (genaue Zahl folgt noch). Der Job war so stressig, dass er sich am Ende nicht gelohnt hat, trotz der guten Bezahlung. Wichtig war er trotzdem: Hier habe ich über Jahre Rücklagen aufgebaut – genau die Rücklagen, die ich später für mein Trainee-Jahr gebraucht habe.
9. SEO-Trainee bei meiner Wunschagentur
Bewertung: kurzfristig ein Minus, langfristig die beste Investition meines Berufslebens
2017 habe ich ein Trainee-Jahr bei genau der Agentur angefangen, bei der ich schon immer arbeiten wollte. Da ich keine praktische Erfahrung hatte, nur meinen Uni-Abschluss – und dazu noch als Ausländerin –, bin ich bewusst über die Trainee-Schiene statt direkt als Junior eingestiegen. Der Haken: Mein Nettoeinkommen ist von zuvor rund 2.000 Euro auf nur noch 1.100 Euro eingebrochen – ein richtig krasser Einschnitt, den ich nur dank meiner Rücklagen vom Flughafenjob überhaupt stemmen konnte.
War es das wert? Absolut. Dieses eine Jahr war eine Investition in mich selbst: Ich habe wahnsinnig viel gelernt und mir den Fuß in die Tür zu genau dem Unternehmen gesetzt, das ich mir gewünscht hatte. Danach habe ich mich hochgearbeitet, bis ich am Ende bei 4.000 Euro brutto (rund 3.200 Euro netto) angekommen bin. Genau das ist eigentlich das Idealbild eines guten Jobeinstiegs: am Anfang wenig verdienen, aber echte Aussicht auf mehr haben.
Nach etwa vier Jahren war ich auf Senior-Level angekommen – und damit war auch die Gehaltsentwicklung gedeckelt, keine weitere Beförderung in Sicht. Zusammen mit der Coronakrise und privaten Gründen habe ich den Job schließlich nach fünf Jahren selbst verlassen. Bis dahin habe ich richtig gut verdient – und vor allem hatte ich extrem viel Spaß an der Arbeit.
Ein Nebeneffekt, den ich damals bemerkt habe: Wenn dir dein Job wirklich Spaß macht, fühlt es sich an, als hättest du mehr Freizeit als in einem Job, der dich nicht erfüllt – und du brauchst plötzlich auch keine stimmungsaufhellenden Impulskäufe mehr, wie sie neben einem stressigen Job oft entstehen. Dadurch sinken deine Ausgaben ganz automatisch. Mehr dazu in „Warum Zufriedenheit der beste Sparplan ist“ → Link.
10. Die Selbstständigkeit – eine komplett andere Nummer
Bewertung: nur für die Richtigen
Nach meiner Zeit in der Agentur habe ich mich selbstständig gemacht. Das ist ein völlig anderes Spiel: Du arbeitest wortwörtlich dumm und dämlich, und mindestens monatelang, wenn nicht jahrelang, reicht das Geld nicht einmal, um deine laufenden Ausgaben zu decken.
Das würde ich wirklich nur Menschen empfehlen, die entweder richtig Lust darauf haben, die für sich herausgefunden haben, dass ein klassisches Angestelltenverhältnis einfach nicht zu ihrer Persönlichkeit passt, oder die ein wirklich leidenschaftliches Projekt haben, für das es richtig brennt. Nur dann lohnt es sich.
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung mit den genannten Jobs und Einkommensquellen, keine Anlage- oder Karriereempfehlung.
