Ich benutze auf diesem Blog ständig Begriffe wie „thesaurierend“, „TER“ oder „Replikationsmethode“ – und habe dabei lange vorausgesetzt, dass sie bekannt sind. Sind sie aber nicht, wenn du gerade erst mit dem Investieren anfängst. Deshalb hier ein Glossar, auf das ich ab jetzt aus anderen Artikeln verlinke, wann immer einer dieser Begriffe auftaucht.
Die Basics
ETF (Exchange Traded Fund): ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen bestimmten Index nach (z. B. den MSCI World) und lässt sich wie eine einzelne Aktie an der Börse kaufen und verkaufen – im Unterschied zu klassischen, aktiv gemanagten Fonds, die von Fondsmanager:innen zusammengestellt werden.
UCITS: steht für „Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities“ – ein EU-weites Regelwerk, das bestimmte Mindeststandards für Anlegerschutz, Diversifikation und Transparenz vorschreibt. Ein ETF mit „UCITS“ im Namen erfüllt diese Standards und darf europaweit an Privatanleger:innen verkauft werden. In der Praxis: Ein ganz normales, seriöses Qualitätsmerkmal, kein Grund zur Sorge.
ISIN und WKN: eindeutige Kennnummern, mit denen du ein Wertpapier bei jedem Broker identifizierst – vergleichbar mit einer Hausnummer. Die ISIN (International Securities Identification Number) ist international standardisiert, die WKN (Wertpapierkennnummer) ist die ältere, kürzere deutsche Variante.
Thesaurierend oder ausschüttend?
Das ist die wichtigste strategische Entscheidung, die du beim Kauf eines ETFs triffst:
- Thesaurierend (im Namen oft „Acc“ für „Accumulating“): Erträge aus Dividenden und Zinsen werden automatisch wieder in den ETF investiert, statt ausgezahlt zu werden. Dein Vermögen wächst dadurch ungestört weiter, ohne dass du selbst etwas tun musst.
- Ausschüttend (im Namen oft „Dist“ für „Distributing“): Erträge werden regelmäßig (z. B. quartalsweise) auf dein Verrechnungskonto ausgezahlt.
Beide Varianten sind grundsätzlich sinnvoll, gehören aber zu unterschiedlichen Strategien: Thesaurierend eignet sich für die reine Wachstumsphase, wenn du das Geld über Jahrzehnte ungestört arbeiten lassen willst. Ausschüttend eignet sich, sobald du auf regelmäßige, automatische Auszahlungen angewiesen bist – zum Beispiel, wenn du mit den Erträgen schon jetzt oder im Ruhestand deine laufenden Kosten decken willst, ohne selbst aktiv Anteile verkaufen zu müssen.
TER (Total Expense Ratio)
Die TER gibt an, wie viel Prozent des investierten Vermögens jährlich als laufende Kosten für die Fondsverwaltung anfällt – zum Beispiel 0,20 % pro Jahr. Das klingt nach sehr wenig, macht sich aber über Jahrzehnte und bei wachsendem Vermögen deutlich bemerkbar: Bei einem Depotwert von 100.000 Euro bedeuten 0,20 % TER immerhin 200 Euro Kosten pro Jahr, automatisch aus dem Fondsvermögen entnommen, ohne dass du davon etwas siehst oder aktiv zahlen musst. Ein günstiger, weit verbreiteter Richtwert für breit gestreute Welt-ETFs liegt bei maximal 0,20 % TER – auch wenn manche beliebte ETFs inzwischen teurer sind oder es speziellere, teurere ETFs gibt. Die TER bleibt bei einem ETF über die gesamte Haltedauer bestehen, unabhängig davon, ob du dein Depot bei einem anderen Broker führst – im Gegensatz zu Depot- oder Sparplankosten, die sich je nach Bank und Aktionen ständig ändern können.
Replikationsmethode
Beschreibt, wie ein ETF den zugrunde liegenden Index technisch nachbildet:
- Vollständige physische Replikation: Der ETF kauft tatsächlich alle im Index enthaltenen Wertpapiere in der jeweiligen Gewichtung.
- Optimierte physische Replikation (Sampling): Der ETF kauft nur eine repräsentative Auswahl der Wertpapiere, die die Indexentwicklung möglichst genau nachbildet – sinnvoll bei sehr breiten Indizes mit tausenden Einzeltiteln, bei denen der vollständige Kauf aller Positionen unpraktisch wäre.
- Synthetische Replikation (swap-basiert): Der ETF bildet die Indexentwicklung über ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Partnerbank nach, statt die Wertpapiere direkt zu halten. Das bringt ein zusätzliches, meist aber gesetzlich begrenztes Kontrahentenrisiko mit sich.
Für die meisten Privatanleger:innen macht die konkrete Replikationsmethode auf lange Sicht keinen großen praktischen Unterschied – wichtiger sind TER, Fondsgröße und die tatsächliche Zusammensetzung.
Fondsgröße / Fondsvolumen
Das gesamte verwaltete Vermögen eines ETFs. Ein gängiger Richtwert: mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen, damit der ETF als etabliert genug gilt und ein geringeres Risiko besteht, dass er aus Wirtschaftlichkeitsgründen wieder geschlossen wird.
Sparplanfähig / Aktions-ETF
Ein ETF ist „sparplanfähig“, wenn du bei einem bestimmten Broker automatisch regelmäßig (meist monatlich) einen festen Betrag hineininvestieren kannst, statt jedes Mal manuell zu kaufen. Manche Banken bewerben bestimmte ETFs zeitweise als „Aktions-ETF“ mit kostenlosem Sparplan – diese Aktionen ändern sich aber erfahrungsgemäß häufig, weshalb sie kein verlässliches Auswahlkriterium für den ETF selbst sein sollten.
Fondsdomizil
Das rechtliche „Zuhause“ des Fonds, meist Irland oder Luxemburg (mittlerweile auch Deutschland). Für deutsche Anleger:innen sind beide etablierten Standorte aus steuerlicher Sicht in der Regel unproblematisch.
Währungssicherung (Hedging)
Manche ETFs sichern Währungsschwankungen zwischen der Fondswährung und dem Euro gezielt ab („hedged“), andere nicht. Wichtig zu wissen: Die Fondswährung (z. B. USD) ist nur die Buchführungswährung des ETFs, nicht zwingend die Währung, in der die zugrunde liegenden Unternehmen tatsächlich wirtschaften – ein ETF mit USD als Fondswährung investiert trotzdem in Unternehmen aus der ganzen Welt.
Aktiv vs. passiv verwaltete ETFs
Die meisten klassischen ETFs sind passiv: Sie bilden stur einen festgelegten Index nach, ohne dass jemand aktiv Kauf- oder Verkaufsentscheidungen trifft. Aktive ETFs dagegen werden – ähnlich wie klassische Fonds – von einem Managementteam gesteuert, das versucht, den Markt gezielt zu schlagen. Das bringt in der Regel höhere Kosten mit sich und funktioniert nachweislich nur selten zuverlässig besser als der breite Markt (→ mehr dazu in „Langweilig, aber sicher investieren“).
Anleihe-Begriffe (falls du auch Anleihen-ETFs recherchierst)
- Corporate Bond: Unternehmensanleihe – ein Kredit an ein Unternehmen.
- Treasury Bond / Government Bond: Staatsanleihe – ein Kredit an einen Staat.
- Emerging Markets Bond: Anleihen aus Schwellenländern, mit entsprechend höherem Risiko und höherer Verzinsung.
- Global Aggregate Bond: ein sehr breit gestreuter, globaler Anleihen-Index über verschiedene Länder und Emittenten hinweg.
- High Yield Corporate Bond: Unternehmensanleihen mit niedrigerer Bonität, dafür höherer Verzinsung – entsprechend risikoreicher.
- Green Bond: eine Anleihe, deren Erlös zweckgebunden in nachhaltige oder klimafreundliche Projekte fließen soll.
Bekannte ETF-Anbieter
Die Namen am Anfang eines ETF-Namens stehen für den Anbieter, der den ETF auflegt und verwaltet – zum Beispiel iShares (BlackRock), Vanguard, Amundi oder Xtrackers (DWS). Es gibt keinen grundsätzlich „besten“ Anbieter – wichtiger sind die konkreten Eigenschaften des jeweiligen ETFs.
Indexfamilien
Ein ETF bildet immer einen bestimmten, von einem Indexanbieter definierten Index nach. Die bekanntesten Indexfamilien sind MSCI und FTSE, es gibt aber noch weitere seriöse Anbieter – ein ETF ist nicht automatisch schlechter, nur weil er einer weniger bekannten Indexfamilie folgt.
Fondswährung (EUR, USD, …)
Die Währung, in der der ETF seine Buchhaltung führt und an der Börse gehandelt wird. Wie oben erwähnt, sagt das wenig darüber aus, wo die enthaltenen Unternehmen tatsächlich wirtschaften.
Mehr zum Thema: Wie du auf Basis dieser Begriffe konkret einen ETF auswählst → „So wählst du auf justETF den richtigen ETF aus“
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Erklärung von Fachbegriffen, keine Anlageempfehlung.
