Kurzer Vorab-Hinweis: Dieser Artikel macht vor allem dann Sinn, wenn du selbst schon investierst oder kurz davor stehst. Falls das Thema für dich noch weiter weg ist – lies trotzdem gerne weiter, vielleicht ist es eine interessante Geschichte für später. Und bevor du überhaupt in ETFs investierst, lies unbedingt zuerst das Buch von Gerd Kommer dazu (→ Link) – das war auch für mich die Grundlage.
Risikobereitschaft wird erst dann wirklich zum Thema, wenn du an dem Punkt stehst, an dem du dich fragst: Wie viel von meinem liquiden Vermögen investiere ich an der Börse? Wie viel in risikoärmere Anlagen wie Staatsanleihen, wie viel in risikoreichere Assets?
Meine erste Antwort: null
Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, kam diese Frage ziemlich schnell auf. Und meine erste, ehrliche Antwort war: Ich hasse es, Geld zu verlieren. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Cent, den ich je verloren oder falsch ausgegeben habe. Meine Risikobereitschaft, dachte ich, ist gleich null. Ich will kein Geld verlieren – Punkt.
Das Problem: Mit dieser Einstellung dauert der Weg zur finanziellen Freiheit sehr, sehr lange, und die erzielbare Rendite bleibt entsprechend niedrig. Also habe ich angefangen, ernsthaft darüber nachzudenken, ob ich meine Risikobereitschaft nicht doch erhöhen sollte.
Der Moment, der meine Sichtweise verändert hat
Ich habe damals „Prince Charming Isn’t Coming“ von Barbara Stanny gelesen – ein ziemlich altes, aber wirklich unterhaltsames Buch, ich habe es auf Englisch gelesen, weil ich nicht sicher bin, ob es eine deutsche Übersetzung gibt (→ ich verlinke es, sobald ich die passende Ausgabe gefunden habe). Möglicherweise war es aber auch in „Women & Money“ von Suze Orman – ich bin mir bei der genauen Quelle nicht ganz sicher, verlinke aber gerne beide.
Darin gab es die Geschichte einer Frau, deren Mann eine sehr niedrige Risikobereitschaft hatte – sie selbst dagegen eine sehr hohe. Der Grund: Sie hatte bereits finanzielle Krisen durchgemacht und wusste dadurch aus eigener Erfahrung, dass es immer irgendwie weitergeht. Man landet nicht einfach unter der Brücke. Man findet einen Weg, das Geld wieder hereinzuholen – Geld lässt sich schließlich immer wieder verdienen.
Das hat bei mir sofort etwas ausgelöst: Moment – ich hatte doch selbst schon finanzielle Krisen. (Dazu kommt übrigens noch ein eigener Artikel: „Meine finanziellen Krisen“ → Link.) Mein niedrigster Vermögensstand lag mal bei 16 Euro – und trotzdem ging es danach wieder bergauf. Ich war nie wirklich pleite. Wenn das so ist, dachte ich, dann ist meine tatsächliche Risikobereitschaft eigentlich ziemlich hoch – ich wusste ja aus eigener Erfahrung, dass es weitergeht, selbst wenn es mal richtig eng wird.
Was ich daraus gemacht habe
Diese Erkenntnis hat meine Investmentstrategie konkret verändert: Ich habe damals 80 % meines liquiden Vermögens (zu dem Zeitpunkt ein paar tausend Euro) in ETFs investiert. Von meinem monatlichen Ersparten – damals zwischen 25 und ein paar hundert Euro – sind seitdem nur noch etwa 20 % aufs Tagesgeldkonto gegangen, der Rest in den Markt.
Mit dieser Aufteilung konnte ich eine deutlich höhere Rendite erzielen. Fairerweise muss ich dazusagen: Das lag auch daran, dass die Börse in den letzten zehn Jahren – trotz Finanzkrise, Coronakrise, Spannungen im Nahen Osten und Handelskonflikten zwischen China und den USA – unterm Strich vor allem bergauf ging, besonders bei einer breit diversifizierten Anlage wie ETFs. (Wie ich konkret „langweilig, aber sicher“ investiere, dazu mehr in einem eigenen Artikel.)
Mein Appell an dich
Wenn du gerade denkst: „Nein, ich will kein Geld verlieren, ich habe Angst davor zu investieren, Risiko ist sowieso schon ein schreckliches Wort“ – dann hoffe ich, diese Geschichte hilft dir. Frag dich ehrlich: Hattest du schon mal finanziell wenig, und ist es trotzdem irgendwie weitergegangen? Wenn ja, ist deine tatsächliche Risikobereitschaft möglicherweise viel höher, als du im ersten Moment denkst.
Mehr zum Thema: – Meine finanziellen Krisen (folgt) – Langweilig, aber sicher investieren (folgt) – Gerd Kommer: Buch zum ETF-Investieren → [Link ergänzen] – Barbara Stanny: „Prince Charming Isn’t Coming“ → [Link ergänzen] – Suze Orman: „Women & Money“ → [Link ergänzen]
Wichtiger Hinweis
Ich bin keine Finanz- oder Anlageberaterin. Dieser Artikel beschreibt ausschließlich meine persönliche Erfahrung und private Vorgehensweise beim Vermögensaufbau, keine Anlageempfehlung.
